Mühldorf – „Zu.Hören“: Unter dieses Motto hatte das Polizeiorchester Bayern am Samstagabend im Mühldorfer Stadtsaal sein Benefizkonzert zugunsten der Bayerischen Polizeistiftung gestellt und damit gleichzeitig an die Polizistenmorde in Dorfen vor 30 Jahren erinnert (wir berichteten). Auf den Liedblättern hatten die Polizisten Stücke aus allen Musikrichtungen und den verschiedensten Epochen. So wurde das „Zuhören“ zur reinsten Freude.
Mit Trommelwirbel und Trompetenruf sicherten sich die Musiker vom ersten Ton an die volle Aufmerksamkeit der Besucher, die ein harmonisches, diszipliniertes und hervorragendes Blasorchester erlebten. Dass den Musikern in Uniform ihr guter Ruf längst vorauseilt, zeigte sich einmal mehr am ausverkauften Saal. Dabei demonstrierte Dirigent Professor Johann Mösenbichler eindrucksvoll, wie man aus einer Ansammlung hochbegabter Musiker einen imposanten Klangkörper macht.
Dem „Königsmarsch“ von Richard Strauss mit seinem Trommelwirbel und Trompetenruf folgte eine bunte Collage aus Werken mit unterschiedlichsten Stimmungen und einem steten Wechsel zwischen Klassikern und Raritäten. Selbst in den Stücken selbst war für reichlich Abwechslung gesorgt. Bestes Beispiel: Die Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ von Gioacchino Rossini. Während Oboe und Flöte die Einleitung im zarten Piano spielen, trumpfen bei der Gewitterszene imposant und lautstark die Posaunen und Hörner auf, ehe ein weiteres Trompetensignal den Auftakt zu dem – aus vielen Comicfilmen berühmten – Jagdmotiv markiert.
Gemächlicher und langsamer fiel dagegen der Wechsel zwischen Laut und Leise bei dem wohl berühmtesten Crescendo der Musikgeschichte aus: dem Bolero von Maurice Ravel. 340 Takte und knapp 15 Minuten dauert es, bis sich das leises „Fingertippen“ auf der kleinen Trommel bis zu dem gewaltigen Knall steigert – mit ein und demselben Motiv und im eindrucksvollen Zusammenspiel verschiedener Instrumente, vom Orchester hervorragend gelöst.
Der zweite Teil des Benefizkonzerts im Mühldorfer Stadtsaal stand dann im Zeichen zeitgenössischer Musik. Unschwer zu erkennen an manch dissonantem Akkord und anspruchsvollerer Rhythmik. Besonders zum Ausdruck kam dies bei der Ouvertüre zum Musical „A wonderful town“ von Leonard Bernstein.
Es folgten noch zwei ganz exklusive Leckerbissen. Zum einen der Konzertmarsch „The Catalyst“, komponiert von Manfred Hechenblaickner, dem ersten Flügelhornisten des Polizeiorchesters. Zum anderen „For a Flower“ von Hermann Pallhuber. Dabei bewies Tobias Epp am Solo-Euphonium den Zuhörern, welche Klänge sich dem Instrument entlocken lassen – von klar brillierend bis hin zu weich und melodisch.
Weiterer Höhepunkt des Abends, den Peter Seufert moderierte, war der „Canterbury Choral“. Das Stück spiegelt musikalisch die eindrucksvolle Architektur der Kathedrale wider. Die Melodien, Klang- und Tonfolgen führen den Zuhörer hinauf auf die höchsten Türme der Kathedrale. Wieder zurück am Boden folgt eine gewisse Demut in der Musik, als ob man diese Kirche verlässt und sich auf seinen weiteren Weg macht – begleitet von drei Glockenschlägen aus weiter Ferne, die symbolisch auch für drei Menschen auf dem Weg ins Paradies stehen könnten.
Ein stimmiges Bild, schließlich galt das Benefizkonzert auch den drei Polizisten, die vor 30 Jahren ums Leben gekommen waren. Das „Zuhören“ bis zum letzten Glockenschlag, es hatte sich wahrhaft gelohnt.