Die Ruhe nach dem Sturm

von Redaktion

Arnulf Rating legt im Haus der Kultur ein unglaubliches Tempo vor, es folgt eine Lehrstunde in Sachen Manipilation

Waldkraiburg – Ein Mülleimer in der Mitte der Bühne, ein Kleiderständer, zwei Stühle und ein Tisch. Ebenso übersichtlich wie das Bühnenbild war auch die Zuschauerzahl. Keine 20 Zuschauer fanden sich am Samstag in der „Black Box“ im Haus der Kultur ein. Doch was dann passiert, hat mit Übersichtlichkeit nichts mehr zu tun: Arnulf Rating erscheint, bepackt mit zwei Koffern und einer Einkaufstüte. Noch in der Türe zum Zuschauerraum beginnt er seinen Monolog. Es prasseln Informationen mit viel Sprachwitz über zwei Stunden lang auf das Publikum nieder; unmöglich allem zu folgen. Doch es kommt an, die Zuhörer lachen und sind gefesselt zugleich.

Den Zug von Frankfurt habe Rating genommen: einen ICE mit Umweg über Thüringen. Er schleifte einen Rollator in aller Eile mehrere Meter mit sich, um schlussendlich in einen überfüllten Zug ohne Bistro zu gelangen. Wortgewandt berichtet Rating in seinem aktuellen Programm „Tornado“ über Schäden an Oberleitungen, über Stuttgart 21 und über den Flughafen Berlin, geht auf AfD, Flüchtlinge, SPD, RAF und natürlich Angela Merkel ein. Und er weiß um die lokalen Besonderheiten in Waldkraiburg: die Baustelle in der Innenstadt, das Wahlergebnis der Gemeinde für CSU und AfD, die eingleisige Strecke.

Mantel und blaues Samtsakko sind inzwischen ausgezogen. Rating trägt Nadelstreifen, rote Lackschuhe und gleichfarbige Socken. Und isst erst einmal ein Hähnchen. Es besteht aus Stabilisatoren, Antibiotika und Gummi. Zeit, kurz durchzuschnaufen, bleibt dem Publikum jedoch nicht, denn gleich darauf rast Rating mit imposanter Geschwindigkeit weiter durch die Themen unserer Zeit. Wiederholt zitiert er aber auch Aristoteles: über die Aufgabe, die wenigen Reichen vor den vielen Armen zu schützen. Und selbstverständlich hat er einen Stapel Zeitungen dabei – sein Markenzeichen. Rating spricht über Länderfinanzausgleich, Diesel-Affen, Trump, Nordkorea, gelangt dann zu Twitter, Facebook & Co., um bei RAF und der Manipulation von Menschen zu landen.

Und dann ist endlich Pause. Anstrengend war es, eine zweite Hälfte in dieser Geschwindigkeit hält keiner mehr aus. Muss er aber auch nicht: Rating konzentriert sich – endlich – auf ein Thema. Es folgt die Ruhe nach dem Sturm, eine Lehrstunde im Fach Öffentlichkeitsarbeit und Manipulation: Rating stellt Eduard Bernays vor, den Vater der Public Relations. Im Buch Propaganda aus dem Jahr 1928 bediente sich Bernays der Psychoanalyse seines Onkels Sigmund Freud und entwickelte Methoden zur Steuerung der öffentlichen Meinung. An Beispielen Rauchen und Krieg zeigt Rating auf, wie sich die öffentliche Meinung manipulieren lässt. „Niemand muss mein Programm auf Anhieb und ganzer Fülle an Information durchdringen“, sagt Rating. „Mir ist wichtig, Dinge von anderen Perspektiven zu zeigen.“

Wie war’s?

Günter Ott aus Waldkraiburg:

„Ich habe heute Abend Arnulf Rating zum dritten Mal gesehen, immer mit einem anderen Programm. Was mir besonders gefällt, ist der lokale Bezug und die Vermischung der zeitlosen, aktuellen und lokalen Themen. Ich würde ihn mir also auch ein viertes Mal anschauen.“

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