Burghausen – Musik, die berührt und unter die Haut geht; Musik, die die gesamte Bandbreite, von der gelösten Freude bis zur andächtigen Stille und Nachdenklichkeit, ausreizt und aushält; Musik, die Tradition und Moderne zusammenbringt, hat am Dienstag zum Auftakt der 49. Jazzwoche den zehnten Burghauser Nachwuchsjazzpreis gewonnen: Die ukrainisch-polnisch-deutsche Formation Leléka aus Berlin rund um die Frontfrau und Sängerin Viktoria Anton ist die würdige Gewinnerin des hochkarätigen Finales.
Mit dieser Entscheidung der Jury – Professor Joe Viera, Roland Spiegel, Ralf Dombrowski und Reinhard Köchl – waren am Dienstagabend im ausverkauften Burghauser Stadtsaal alle einverstanden. Zugleich war Leléka der Gewinner eines der besten und knappsten Finale in der Geschichte des Jazzpreises.
Viktoria Anton ist eine begnadete Sängerin, die von ihren Musikern, dem einfühlsamen und wunderbaren Robert Wienröder (Piano), Jakob Hegner (Schlagzeug) und Thomas Kolarczyk (Bass) kongenial ergänzt wurde. Gemeinsam nehmen sie alte ukrainische Lieder und präsentieren sie in einem neuen, modernen Gewand. Ein Gewand, das – auch wenn man die Sprache nicht beherrscht – berührt. Das Lied über die unzufriedenen Frauen, die ihre Männer verkaufen, vermittelt Freude und Humor, während das Lied mit der Sehnsucht nach Frieden unter die Haut geht und alle im Saal verstummen lässt, so dass sich auch nach dem letzten Ton keine Hand rührt, sondern alle mucksmäuschenstill diesem Wunsch nachsinnen – in einer berührenden Stille, die Leléka auch kraftvoll aushält.
Der zweite Preis ging an die ungewöhnlichste und experimentierfreudigste Formation des Abends: „Of Cabbages And Kings“, ein deutsch-österreichisches Gesangs-Quartett. Was Veronika Morscher, Sebath Pérez, Rebekka Ziegler und Laura Totenhagen mit ihren Stimmen A-cappella zauberten, war einmalig. Sie sponnen feinste Klangteppiche und Lautfarben, die miteinander tanzten, einander umschmeichelten und ergänzten, die aus den Sonetten Shakespeares oder einem Liebesgedicht von Brecht ein klangliches Aha-Erlebnis zauberten, das in eine andere, faszinierende Welt entführte.
Der dritte Preis ging an die klassischste Formation des Abends: an das französische Auxane Trio. Auxane Cartigny (Pinao), der auch den Solistenpreis erhielt, hatte mit Samuel F´hima (Bass) und David Paysha (Schlagzeug) ein klassisches Klavier-Trio auf die Bühne gebracht. Doch die äußerst kompakte Formation zauberte aus diesem scheinbar ausgelutschten Format neue Farben und spannungsvolle Facetten, die selbst für Kenner frisch und anregend waren.
Auch wenn sie an dem Abend das Nachsehen hatten, waren die anderen Finalisten ebenfalls herausragend.
So hatte das deutsche Anton Mangold Quartet von Anton Mangold (Saxofon) den Abend eröffnet und damit den schwierigsten Part. Anton Mangold (Saxofon), Theodor Spannagel (Bass), Zhitong Xu und der herausragende Felix Schneider (Piano) zauberten dichten, kraftvollen Sound voller Feinheiten hervor.
Die größte Formation des Abends war das „Stadtgespräch“, das ein Streichquartett und ein Jazzquartett auf eine Bühne und in ein reizvolles Zwiegespräch brachte. Pascal Hahn (Trompete, Flügelhorn), Johanna Hoppstock, Johanna Risse (beide Geige), Juli Fröhling (Viola), Katharina Pannes (Cello), Andreas Theobald (Piano), Malte Viebahn (Bass) und Lukas Schäfer (Schlagzeug) ließen wahre Zwiegespräche zwischen Streichern und Jazzern erklingen.
Leléka war unterm Strich die verdiente Gewinnerin des mit 5000 Euro dotierten Preises und sie hatte es sich verdient, das Hauptprogramm am Mittwochabend in der Wackerhalle vor dem ganz großen Publikum eröffnen zu dürfen.