Von Spaßgurken, Blitzbirnen und der armen SPD

von Redaktion

Hochklassiger „Brettlboden“ am Dienstagabend im ausverkauften Mühldorfer Haberkasten

Mühldorf – Drei Künstler aus Köln standen diesmal beim Brettlboden auf der Bühne: Doch damit hörten die Gemeinsamkeiten auch schon auf.

Dass das Dasein als Deutsch-Lehrer einen reichhaltigen Fundus für eine Karriere als Komödiant bietet, belegte eindrucksvoll Johannes Schröder, der mit Auszügen aus seinem Programm „World of Lehrkraft – Ein Trauma geht in Erfüllung“ glänzte. Mit Cord-Sakko, einem zu hochgezogenen Hosenbund und einem Outfit, das insgesamt etwas zu beige geraten war, war er unschwer als Pädagoge zu erkennen. Aber mit Klischees hielt er sich nicht lange auf. Schröder ist originell und witzig, besticht durch seine entwaffnende Selbstironie. Was einen guten Lehrer ausmacht? „Empathie. Du musst spüren, in welche Schublade das Kind passt.“ Lehrer sein ist schwer, jeden Tag aufs Neue: „Leistungsschwäche, Demotivation, Suchtverhalten, Mobbing – hinzu kommen die Probleme der Schüler.“

Mit Gedichtinterpretationen und Erörterungen lässt sich da nur schwer gegen den beliebten Sportlehrer Trillerpfeifen-Theo konkurrieren, diese „bildungsferne Spaßgurke aus der Turnhalle“. Nicht der Spruch an sich, sondern Schröders Talent als Komiker lässt das Publikum in einer Tour lachen. Ein Leben am „Korrekturrand der Gesellschaft“.

Nach diesem bravourösen Auftakt war es für die nachfolgende Künstlerin nicht leicht, dagegenzuhalten. Aber Dagmar Schönleber meisterte die Herausforderung mit Bravour. Schließlich hatte die Frau nicht nur erfrischende Themen, sondern einfach auch was zu sagen. Herrlich nimmt sie die Texte deutscher Popsongs auseinander. „Das Schlimme ist, das man so viel versteht von dem, was da gesungen wird.“ Hinzu kämen schlecht recherchierte Texte wie „Hinter Hamburg, Berlin oder Köln, hören wir das Meer.“ Man müsse keine „Blitzbirne“ in Geografie sein, um zu merken, dass das so nicht stimme. Klimawandel hin oder her. Die Liedzeile „Ich bin für dich leise, wenn du zu laut bist“ kommentiert sie mit: „Was ist denn das für eine Streitkultur?“

Sympathisch und nie um eine Antwort verlegen zeigte sich auch der dritte Kabarettist des Abends: Fatih Cevikkollu. Ihm zuzuhören ist wie Achterbahn fahren, rüpeln und schäkern. In einem Moment tuschelt er charmant mit den Zuschauern, hüpft auf seinen bunten Birkenstock herum, um dann gekonnt bissig böse Pfeile abzuschießen. Die FDP habe es nur wegen der guten Fotokampagne mit Lindner wieder in den Bundestag geschafft: „Doch wer die FDP wegen Christian Lindner wählt, wählt auch die Piraten wegen Johnny Depp.“ Aber keine Witze über die SPD: „Das wäre wie Kinderschubsen!“

Sein großes Thema ist die Transformation ins digitale Zeitalter, die jeder in seinem Tempo durchläuft: Während die einen noch das WLAN- Kabel suchen, sind die anderen nur noch am Wischen. Den jüngeren Besuchern im Saal erklärte Fatih Cevikkollu gleich mal, dass damals, als es nur das Festnetztelefon gab, eine Frage wie „Wo bist du?“ undenkbar war. Wo sollte man auch schon sein? Im Flur.

Michael Altinger moderierte wie gewohnt charmant und witzelnd durch den Abend. Am Ende gab es sehr viel Applaus für einen höchst unterhaltsamen und bunten Kabarettabend.

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