49. Internationale Jazzwoche Burghausen

Die große Lust auf mehr

von Redaktion

Charles Tolliver und das Avishai Trio lösten Begeisterungsstürme in der Wackerhalle aus

Burghausen – In Burghausen wird seit fast 50 Jahren Jazz großgeschrieben. Die 49. Jazzwoche Burghausen zog einmal mehr Jazzfreunde aus nah und fern an. Von einem „bemerkenswerten Beitrag zur Völkerverständigung spricht Professor Joe Viera gerne – mit Blick auf die rund 100 Musiker, die auch heuer wieder aus aller Herren Länder nach Burghausen gekommen sind. Angesichts des hochkarätigen Programms mit Jazz-Größen der Extraklasse und vielversprechenden Nachwuchskünstlern hatten die Besucher einmal mehr die Qual der Wahl. Einziger Trost für verpasste Konzerte ist das seit 49 Jahren gültige Motto: „Nach der Jazzwoche ist vor der Jazzwoche“.

Und der Ausblick auf das große Jubiläum im nächsten Jahr war am Donnerstagabend in der Wackerhalle schon einmal äußerst appetitanregend. Ein echter Appetithappen war das Konzert von Charles Tolliver featuring Claus Raible (Piano) und in der zweiten Hälfte das Avishai Cohen Klavier-Trio. Zwei völlig unterschiedliche Jazz-Formen – jede für sich aufregend, energiegeladen mit schier unendlichem kompositorischem Feuer.

Allein schon der Anblick des in Florida geborenen Trompeters, Komponisten und Bandleaders Charles Tolliver erzeugt im Hörer eine aufregende innere Jazz-Schwingung. Der Mann lebt Musik, ist Musik und hat neben seiner Virtuosität, diese umwerfende Persönlichkeit, der man sich nicht entziehen kann. Sein speziell für diesen Abend in Burghausen zusammengestelltes elfköpfiges Orchester mit Star-Pianist Claus Raible folgte ihm hingebungsvoll und zauberte entsprechende Jazzgrooves in die Wackerhalle. Beim Erklingen des grandiosen Zusammenspiels der Jazzer, schreit es aus tiefster Seele der Zuhörer: „Long Live Thelonious Monk‘ s Musik“. Die Arrangements von Monks legendärem Konzert in der New Yorker Town Hall im Jahr 1959 feierten so in der Wackerhalle ein begeisterndes und umjubeltes Revival.

Der charismatische Avishai Cohen, israelischer Meister am Kontrabass, Komponist und seit Kurzem auch Singer-Songwriter, füllte im Anschluss mit seinem Trio zwar nicht die gesamte Bühne, dafür aber umso klangvoller die Wackerhalle, bis in den hintersten Winkel mit Jazz in großartigen Eigenkompositionen. Drei Musiker – ein Gedanke: Ein grooviger Flow, Jazz geteilt durch drei, von Dreien mit der hörbar gleichen musikalischen Ausrichtung. Wohin nur mit so viel Gefühl, mit so selbstverständlicher und unverkrampfter Virtuosität? Gerne raus damit, hier und jetzt in Burghausen.

Ein Bassist, der mit seinem Kontrabass tanzt, der sich mit seiner Musik in atemberaubenden Soli immer wieder ins Zentrum des Trios stellt. Ein Pianist (Omri Mor), der für dieses Instrument geboren zu sein scheint, seine Tasten streichelt, sie kraftvoll anschlägt, die Fülle des Klangspektrums an seinem Instrument bis ins Detail nutzt und jeden Akkord mit großer Emotion ausgestaltet. Und ein Schlagzeuger (Noam David), der explosiv-expressiv unterlegt und akzentuiert, der sowohl im richtigen Moment zurückhaltend agiert, als auch mit leidenschaftlichem Temperament in die Vollen geht. Zusammen: Drei Größen, die mit ihren variationsreichen Kompositionen, aus denen auch immer wieder starke musikalische Einflüsse ihres Heimatlandes Israel heraus hörbar sind, mit stehenden Ovationen geehrt wurden. Kurzum: Ein Konzertabend voller Superlativen. Bei den Zugaben blieben die restlos begeisterten Konzertbesucher lieber stehen.

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