Zum Liebgewinnen und zum Abgewöhnen

von Redaktion

Das Konzert mit Wolfgang Haffner und Reto Weber steht für genutzte und vertane Chancen am Samstagabend in der Wackerhalle

Burghausen – Skeptiker zum Jazz führen und dafür begeistern, das geht in der Regel gut am Samstagabend in der Wackerhalle – das ist der traditionelle Festivalplatz für hochwertigen Mainstream-Jazz, für gefällige und deshalb noch lange nicht beliebige Musik.

Bestens funktioniert die Sache mit der Begeisterung beim 1965 im fränkischen Wunsiedel geborenen Schlagzeuger Wolfgang Haffner, der in Burghausen im Sextett sein von der reichen spanischen Musikkultur inspiriertes Album „Kind Of Spain“ vorstellt. Zum 15. Mal spielt er in Burghausen, und zeigt warum: Haffners Eigenkompositionen sowie die Jazz- und Klassik-Hits wie Chick Coreas „Spain“ und Joaquín Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ sind leicht und schön zu hörende Musik, Mainstream-Jazz, wie man ihn konzentrierter, ernsthafter und intensiver wohl nicht spielen kann. Ein tolles Erlebnis, zumal Haffner im besten Sinne des Wortes Begleiter ist.

Er trommelt, um Christopher Dell am Vibrafon zu einem mächtigen Crescendo in Szene zu setzen, er trommelt, um Christian Diener am elektrischen Kontrabass bei dessen Solo zu tragen. Wolfgang Haffner trommelt, um seine Kollegen bestmöglich aussehen zu lassen. Mit Erfolg. Daniel Stelters Gitarre sorgt dabei für den südländischen Flamenco-Touch, Sebastian Studnitzkys klagend weiche Trompete für die Wehmut. Auch wenn das letzte Drittel etwas meditativ gerät, bietet das Konzert eine Schönheit an Melodien, ein so feines Musizieren, dass es eine Freude ist. Wenn Haffner ab und an mit eigenen Soli Gas gibt, sind auch Freunde des Virtuosentums hingerissen.

Mindestens ebenso vielversprechend beginnt der Schweizer Percussionist und Hang-Erfinder Reto Weber mit seiner Squeezeband, die mit Gitarre, Piano, Bass und mit Beatboxer Nino G besetzt ist. Allein mit dem Mund imitiert dieser ein komplettes Drum-Set in unfassbarem Tempo, der Saal tobt bei seinem Solo. Leider franst das Konzert immer mehr aus, aufs Pianosolo folgt der Piano-Trommel-Dialog, darauf das Gitarrensolo, darauf das Basssolo. Die Folge: mehr Instrumentalrevue als stringentes Konzert. Dass Walter Sigrist schließlich noch mit dem längsten Alphorn der Welt – unfassbare 14 Meter – einsteigt, ist zwar spektakulär, nur klingt das Teil scheußlich wabernd. Hoffentlich waren nicht zu viele Jazzneulinge im Konzert.

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