Mettenheim – Stefan Kröll führt ein Doppelleben. Als gelernter Schreiner zimmert sich der Feldkirchener die Bretter, die die Welt bedeuten, selber und erfüllt sich damit zwei Lebensträume auf einmal. Er liebt das Urige und Ehrliche, so wie er es tagtäglich in seiner bayerischen Heimat erlebt. Um „Bayern“ – diesmal „von unten“ – geht es auch in seinem neuen Programm „Gruam“, welches er – teils musikalisch untermalt – im Mettenheimer Kulturhof vorstellte.
Schlitzohrig und pointiert reflektiert er über die Geheimnisse und Mythen unseres Landes, spricht vom Aberglauben und rätselhaften Phänomenen: In Bayern herrsche eine Vorliebe für das Unbekannte, für Dinge, „die vielleicht wahr sind – anders hätte sich die CSU a net so lang hoitn kenna“.
Fest verankert im bayerischen Volksglauben ist die sogenannte „Drud“, ein stinkendes Wesen, das seit Jahrhunderten nicht mehr geduscht hat, nächtens in Gestalt einer alten Frau erscheint und dem Schlafenden so lange auf die Brust drückt, bis er keine Luft mehr bekommt. Nicht verwechseln dürfe man sie jedoch mit dem Ehemann oder dem Schlagzeuger der Rolling Stones. Da helfen nämlich auch keine Drudenmesser oder Pentagramme mehr.
Manchen Zeitgenossen dichtete man schon zu Lebzeiten Legenden an, dem 1771 spektakulär hingerichteten „Boarisch Hiasl“ etwa, der als Revolutionär und Anführer verschiedener Räuberbanden zum bayerischen Robin Hood glorifiziert wurde und bis heute in zahlreichen Anekdoten weiterlebt. Sogar Schiller soll er seinerzeit zur Figur des Karl Moor in den „Räubern“ inspiriert haben.
Mystisch und burlesk zugleich geraten seine Geschichten über die berüchtigte Betrügerin Adele Spitzeder oder die „schwarze Afra“ – Schutzpatronin von Augsburg und gleichzeitig „Schutzheilige für reuige Prostituierte“.
Mit seinem medizinischen Bericht über den „Nabelwurm“, über probate Gegenmittel wie tote Frösche oder das Verspeisen von Heiligenbildern und über die Hygienepraktiken der bayerischen Landbevölkerung hatten alle Besucher ihren Spaß.
Ebenso mit der Erforschung unterirdischer Erdställe, im Volksmund „Schratzllöcher“ genannt, die im 11. Jahrhundert wahrscheinlich aus Angst vor allem „Nordischen“, wie Preußen, Schweden, Markus Söder und finnischen Pisa-Tests, errichtet wurden.
Besonders amüsant war Krölls Exposé über sagenumwobene Kraftorte wie den Untersberg bei Berchtesgaden, in dem Kaiser Karl auf seine Auferstehung wartet und so lange schlafen muss, bis sein Bart dreimal um den Tisch gewachsen ist. Oder über die „Münchner Drachenlinie“, diesen unterirdischen, Macht verleihenden Energiestrom, laut Kröll ein idealer Platz für das neue Sechzgerstadion.
Alles in allem: ein spritziger, intelligenter und höchst unterhaltsamer „Brettl-Abend“ mit einem Kabarettisten der Extraklasse – Bayern zum Anfassen!