Zangberg – Es ließe sich jetzt ganz viel über die beeindruckende Technik schreiben, die die 16 jungen Instrumentalistinnen und Instrumentalisten und eine junge Sängerin am Samstag im Ahnensaal des Klosters Zangberg gezeigt haben. Viele sind Preisträger bei Jugend musiziert, teilweise sogar auf Bundesebene. Natürlich ist dieses Können die Basis für einen schönen Konzertabend. Aber Musik lebt eben auch von Gefühlen und davon, sie zu teilen. Und genau daran hatten die jungen Frauen und Männer zwischen sieben und 19 Jahren echte und charmante Freude, ohne Allüren, auch räumlich ganz nah am Publikum. Die Vorsitzende des Fördervereins Musikfreunde Mühldorf, Christine Enghofer-Reiter, hatte deshalb vollkommen recht, den Abend mit den Worten einzuleiten: „Es sind wirklich Künstler.“
Der Name des Komponisten Dimitri Schostakowitsch im Programm ließ schon ahnen, dass Sabine Libera am Violoncello etwas abverlangt werden würde. Am Klavier begleitet von Michael Niebauer brachte sie den Ahnensaal zeitweise zum Beben. Die 18-Jährige brachte sich mit dem Konzert No. 1 in Es-Dur in Rage, meisterte die schnellen Tonfolgen unglaublich präzise und mit Temperament.
Vor ihr hatte Katharina Haneder ganz andere Emotionen geweckt. Sie sang – begleitet von Eva Barbarino – unter anderem „Lieblingsplätzchen“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, das zwischen Traurigkeit und Schwärmerei wechselt. Das konnte man in ihrer Stimme fühlen, nicht nur am Text hören. Die Stimme der 19-Jährigen war immer wunderbar klar, sanft und trotzdem kraftvoll.
Einige Programmpunkte machten schon beim Lesen neugierig. Hackbrett und Klavier? Zusammen? Theresa Auer am Hackbrett und Sandra Sallerseder am Klavier machten Lust, diese Instrumente öfter miteinander zu hören. In einer Sonate in C-Dur von Carlo Monza spielten sie im wahrsten Sinne des Wortes zusammen. Keines der Instrumente dominierte. Das ergab einen sphärischen Klang.
Dass Musik vom Zusammenspiel lebt, zeigten auch Lea Leippi (15) und Adrian Schmidt (13). Sie wagten sich an etwas, das man durchaus als eine Arte Hit bezeichnen könnte: Den Marsch und den Tanz der Zuckerfee aus Tschaikowskys „Der Nussknacker“. Pointiert und auf den Punkt waren die beiden. Und dass es im Nussknacker im Grunde um den etwas schrägen Traum eines Kindes geht, konnte man auch intuitiv verstehen.
Die Palette der Emotionen von kindlich-keck über nachdenklich und lebensfroh klangen in vier Stücken an, die Theresa und Simon Weinzierl als Klavierduo zeigten. Die elf und zwölf Jahre alten Geschwister wissen, was die Hände des anderen spielen. Charmant, und nicht ungewöhnlich an diesem Konzertabend war, dass die beiden nicht nur ein klassisches Repertoire zeigten. Sie spielten auch einen Kocheler Ländler von Walter Niemann.
Andrea Trieflinger spielte keine Volksmusik, obwohl ihr Instrument, die Zither, gerade in Bayern mit ihr in Verbindung gebracht wird. Sie wählte eine Suite in g-Moll von Silvius Leopold Weiss, einem Zeitgenossen Händels. Zauberhaft war ihre Variante des Kinderliedes „Weißt du wie viel Sternlein stehen“, eigentlich „Leo minor“, das Schlaflied für den kleinen Löwen aus „Buch der Sterne“ des zeitgenössischen Komponisten Wilfried Hiller. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, die bekannte Weise jemals anders als auf der Zither gehört zu haben.
„Stand by me“ von Ben E. King hatte Eva Steindl gewählt – für den Kontrabass in A-Dur. Und sie sang den Hit aus dem Jahr 1961. Die 19-Jährige hatte dabei Soul in den Fingern und der Stimme. Julian Wackers (17) machte mit seinem Kontrabass hörbar, warum das Stück, das er sich für den Abend in Zangberg ausgesucht hatte, „Der Wolf“ heißt. In der Musik hörte man den Wind rauschen und den Wolf heulen.
Zwei der jüngsten Musiker des Jugendkonzertes spielen ebenfalls Kontrabass: der neunjährige Johannes Braun und der siebenjährige Ianto Hien. Johannes Braun, für den es als Zangberger ein Heimspiel war, trat mit einem grünen Kontrabass vor das Publikum. Der Neunjährige trat mit Stefan Schäfers „Besuch in der Kathedrale“ und „Tambourin“ von Francois Gossec auf. Schwer und getragen konnte der Neunjährige klingen, aber auch heiter-frech. Mit sieben Jahren war Ianto Hien bereits zum zweiten Mal beim Jugendkonzert dabei. An der Seite des jungen Kontrabassisten spielte Maximilian Höfer (8) Klavier. Ihr zweites Stück, „Struct – Allegro con moto“ von ClaClaus Freudenstein, begann mit Trommeln auf den beiden Instrumenten, bevor es in eine schnelle Melodie überging.
Violoncello und Klavier, zwei Schwestern: Marie (10) und Fanny (12) Weishäupl hatten für die Zuhörer „Die Zigeuner kommen“ von Friedrich Seitz dabei. Es wechselte von schnell zu melancholisch, dann wurde es wieder temperamentvoll. Die beiden Mühldorferinnen trafen dabei nicht nur technisch, sondern auch emotional die richtigen Töne. Fanny Weishäupl spielte außerdem noch ein Stück von Debussy.
Den Charme des Jugendkonzerts machte an diesem Abend besonders eines aus: unterschiedliche Instrumente, teils ungewöhnliche Stücke, und Freude darüber, anderen mit ihrer Musik eine Freude gemacht zu haben. Das war wirklich allen Künstlern des Abends an ihrem Lächeln während des Applauses anzusehen. Christine Enghofer-Reiter dankte ihnen mit den Schlussworten: „Ihr habt die Musik mit Leben gefüllt.“