Mühldorf – Marcus H. Rosenmüller schnauft erst einmal tief durch, als er zusammen mit Gerd Baumann auf die Haberkasten-Bühne kommt. Er sei halt etwas „gwampert“ geworden über den Winter. Schuld seien die Strapazen seines neuen Films. Diesmal auf Englisch. Er wolle jetzt gar nicht viel davon erzählen, sagt Rosenmüller. Gerd Baumann tut es dann doch. Es gehe um einen Urkonflikt der Menschheit, Hain gegen Zabel, zwei Schwestern. Sie leben auf dem „Triglav“, dem höchsten Berg Sloweniens. Die eine betreibt einen auf Vertrauensbasis operierenden Skischuh-Verleih, die andere eine Skischuh-Rückgabestelle. Als ein Kunde die entliehenen Skischuhe an der Rückgabe-Stelle gegen ein Vermögen zurückgibt, ohne davor Gebühren bei der Schwester gezahlt zu haben, kann er sich ein Ferienhaus am Neusiedler See bauen. Aber die beiden Schwestern Hain und Zabel leben fortan in einer Fehde.
Immer wieder müssen der Regisseur und der Komponist, die unter anderem für den Film „Wer früher stirbt, ist länger tot“ zusammengearbeitet haben, selbst lachen. Diese fabelhaft-versponnenen, abstrusen, ziemlich albernen und gerade deshalb komischen Geschichten sind aber nur ein Teil des Programms. Gedichte machen eigentlich auch den Hauptteil des Abends aus. Manchmal sind es nicht ganz dichte Gedichte. Da wäre etwa der Zyklus „Zwei Mädchen“. Eine Kostprobe:
„Zwei Mädchen und ein Architekt, die planten sich zu lieben. Doch wie so oft beim Architekt, ist’s nur beim Plan geblieben.“
Darüber hinaus erklärt Gerd Baumann dem Publikum, dass Goldfische, genauer gesagt „wilde Goldfische“, ursprünglich aus dem Neusiedler See stammen. „Damals hatten sie aber noch ein Fell und Pfoten, weil im See damals kein Wasser war.“
Wie sich später herausstellt, ist der Neusiedler See, genauso wie der Triglav, schicksalhaft für die Freundschaft zwischen Rosenmüller und Baumann. Diese Freundschaft ist wiederum der Nährboden für die Gedichte der beiden mit schrägen Reimen und abstrusen Gags. „Gedichte aus der Schaf-Szene spielen immer an Vulkanen“, lässt Gerd Baumann das Haberkasten-Publikum wissen. Was folgt, ist ein noch nie dagewesener Reim:
„Ein Schaf stand in Pompeji und dachte sich: O wehi!“
Erlaubt ist, was Spaß macht. „Denn wenn der Dichter Hunger hat, macht er sich ein Butterbrot.“ Reime, die eigentlich gar nicht gehen, aber eben deshalb gehen. Wenn die beiden das Charakteristische an ihren Vierzeilern erklären, klingt das so: „Die Vierzeiler sind einfach Gedichte mit vier Zeilen.“ Und einige haben auch fünf.
Nur bei Frauen kamen Rosenmüllers Gedichte nicht immer an. Die Angebetete etwa, die er – ganz poetisch – „vernaschen wollte wie ein Streichwurstbrot“, habe ihn nie erhört. Eine andere habe sich von ihm getrennt, ehe sie wusste, dass sie mit ihm zusammen war. Und als er seiner Frau poetisch versicherte, dass er sie liebt, auch weil er sonst selbst bügeln, kochen und waschen müsse, habe die wenig begeistert reagiert. Immerhin hat er ja Gerd Baumann gefunden. Der berichtet mit den Reizwörtern Neusiedler See, Mafia, Goldfisch, Drogenkurier, Schaf, Regen, Triglav und Goldfisch-Glasverleih von einem Erlebnis, das in seinen Zusammenhängen nur er erzählen kann. Spätestens da ist klar, Marcus H. Rosenmüller und Gerd Baumann haben nicht mehr alle Goldfische im Glas.