Was die Stimmbänder hergeben

von Redaktion

„Naturally 7“, als herausragende A-cappella-Band angekündigt, erfüllen im Stadtsaal alle Erwartungen

Mühldorf – Sonnenbrille, Cap, eine zerrissene Hose. Die sieben Männer aus New York in lässig-gepflegtem Streetwear wirken wie einem Rap-Video entsprungen. Kaum zu glauben, dass sie sich über ihr Engagement im Kirchenchor kennengelernt haben. Ganz im Gegensatz zur betonten Lässigkeit stand am Samstagabend ihre Kunst im Mühldorfer Stadtsaal.

Was die A-cappella-Band so besonders macht, ist ihr „Vocal Play“, also die Fähigkeit, ein breites Spektrum an Instrumenten zu imitieren. Das geht weit über das bekannte Beatboxen hinaus. „Naturally 7“ kreieren Mundharmonikas, kreischende E-Gitarren, Drums, Keyboards, Trompeten, Geigen und Bässe.

So mischen sich die Harmonien eines Kirchenchors mit den Klängen einer nicht vorhandenen Band. Alles ist derart austariert, dass es manchmal schwer zu glauben ist, dass kein Orchester hinterm Vorhang lauert.

Die hohen Erwartungen erfüllen „Naturally 7“ vom ersten Ton an – mühelos. „I can feel it“ sorgt schon für tosenden Beifall. Allein für die Imitation einer zitternden E-Gitarre gibt es immer wieder Szenenapplaus für Rick Court, der außerdem über eine beinahe unanständig tiefe Bassstimme verfügt.

Für Abwechslung sorgt schon die Titelauswahl quer durch die Musikgeschichte: Klassik, Pop, Hip-Pop, Rock und viel Soul, Reggae, Blues. Darunter Balladen, harmonisch triefende Liebeslieder bis hin zu tanzbaren Beats. Die Spannweite reicht von „Going Home“, einem mit Text versehenen Satz aus Dvoráks Symphonie „Aus der Neuen Welt“, bis hin zu aktuellen Titeln wie „Fix you“ von Coldplay.

Zu den Klassikern zählen „While my guitar gently weeps“ mit einem fulminanten Gitarrensolo (Beatles), „Sound of silence“ (Simon und Garfunkel), „English man in New York“ (Sting) und der Gospel „Round away“ als Erinnerung an die Anfänge der Band: Jeder Sänger hat in und um New York einmal in einem Kirchenchor gesungen. Wohl gemerkt gesungen.

Dass sie Gospels mit einem Geigenchor untermalen und von der Tenorstimme zur gesungenen Posaune wechseln, ist die Handschrift von „Naturally 7“. Mit purem „Covern“ hat das Konzept aber dennoch nicht viel zu tun. Mit der stimmlichen Instrumentalgewalt veredeln sie die Songs, hauchen ihnen ein Eigenleben ein.

Obwohl „Naturally 7“ Hunderte von Konzerten in den Stimmbändern haben, wirkt der Auftritt im Stadtsaal nicht beliebig. Für Charme und Seele sorgt vor allem Bandgründer und Frontman Roger Thomas mit spannenden Moderationen.

Eigenkompositionen wie das dramatische „I need air“ oder „Caught in the moment“ machen den Abend rund. Das Liebeslied „The first time“ widmen „Naturally 7“ dem Paar im Publikum, das am längsten verheiratet ist – Irmi und Georg mit 42 Ehejahren. Am Ende ernten „Naturally 7“ nicht nur dafür stehende Ovationen und bedanken sich mit Zugaben: Nach „Fix you“ nimmt der Abend einen sportlichen Ausgang: Zu „Ready or not“ wird gemeinsam gesungen und getanzt.

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