Wiedergesehen in Ampfing

von Redaktion

Der Kommunale Kulturkreis zeigt nach 17 Jahren wieder Bilder von Willy Reichert

Ampfing – Vor 26 Jahren gründete der Ampfinger Rechtsanwalt Heinz-Rudolf Huber den Kommunalen Kulturkreis Ampfing. Kunst und Kultur führen seither in der Gemeinde kein Schattendasein. Die Grundschule Ampfing wurde zum „Austragungsort“ zahlreicher Kulturveranstaltungen unter Hubers Regie. Die Osterzeit sieht der Jurist mit dem Faible fürs Ästhetische zu Recht als geeignet an, ortsansässigen oder Ampfing nahe wohnenden bildenden Künstlerpersönlichkeiten im Foyer der Grundschule Gelegenheit zu bieten, ihre aktuellen Werke der Öffentlichkeit vorzustellen und zum Erwerb anzubieten.

Zur österlichen Zeit dieses Jahres gibt es ein „Wiedersehen in Ampfing“, so der Titel, mit Willy Reichert. Der Maler und Grafiker kam mit seiner Gattin und einem kleinen Fuhrwerk nicht allzu neuer Bilder – manche sah man schon da und dort bei ähnlichen Werkschauen – aus Wasserburg, wo der in München geborene Künstler seit vielen Jahren sein Atelier auf der Burg hat. Wer Neues von dem 80-jährigen „Altmeister“, wie ihn Huber bei der Vernissage vorstellte, erwartete, wurde womöglich enttäuscht. Die zahlenmäßig überschaubaren Bilder, die der Könner Willy Reichert für Ampfing aussuchte, datieren generell ins erste Jahrzehnt der 2000er-Jahre. Sie sind, was nicht ganz einsehbar ist, zu Fünfer- oder Sechser-Gruppen zusammengefasst. Eine Titelübersicht mit Angaben zu Verkaufspreis und Maltechnik – in der Regel sind es holzgerahmte Ölgemälde und Aquarelle – hängt bei jeder Gruppe aus.

„Grundsolides Handwerk“ paare sich bei Willy Reichert, der sich bei der Eröffnung am Samstag leider nicht zu Wort meldete – stets mit „ein klein wenig Magie“. Das befand der aus Salzburg herbeigebetene junge kunsthistorisch bewanderte Laudator Martin Keindl in seiner kurzen launigen Einführung, die sich mit der Live-Musik der auf die Schnelle eingesprungenen Münchner Gruppe „Jolk“ gut vertrug und den Vernissage-Gästen Appetit auf Reichert-Bilder-Genuss machte.

Menschen, Tiere, Landschaften, Städteansichten, ein verschlüsseltes Selbstporträt – Willy Reichert liebt es, Phantastisches gerne mit einem Schuss Hintergründigkeit auf Leinwand oder Karton zu bringen. Kein Bild ohne Titel. Doch allein die sind oft schon eine Denksport-Aufgabe: „In Erwartung“ und „Urwaldschamane“, beide aus 2010, stehen da für manch andere Sujets gerade. Reichert bildet nie ab, schafft vielmehr Atmosphäre, fühlt sich im Impressionistischen wohl, ist glücklich, nicht Realität wiedergeben zu müssen, sondern sich von ihr stets ein Stück weit entfernen und zum Abstrakten tendieren zu dürfen. Sein Sinn für Spiel und Spaß mit Buchstaben-, Wörter-, Slogan- oder Zahlen-Einsprengseln lässt ihn immer auch als Schelm erscheinen, der dem von ihm so Gesehenen gern etwas Beiläufiges beimischt.

„Alte Brücke über den Inn“ ist ein Bild, vor dem man, wie vor nicht wenigen anderen auch, lange verweilen kann, um von der Härte der Betonpfeiler des Bauwerks, das den Verkehr zur Kreisstadt Mühldorf ermöglicht, wegzukommen und das Flirrende, das es in sich trägt, freizulegen. Kaum eine Bildschöpfung des so gar nicht „traditionellen“ Reichert kommt ohne Fragezeichen aus, gut so!

Nicht nach dem „festen“ Bestandteil eines Bildes fragt man, sondern nach dem, was „dahinter“ liegt, was mit ihm „gemeint“ ist. „Die Träumende“ ist ein Bild, das vieles offen und manches assoziieren lässt, je nach Gender-Standpunkt und temporärer Befindlichkeit. Noch darf gerätselt werden, wen Reichert im Kopf hatte, als er 2004 „Madame U.“ porträtierte. Eine Kreisstadt-Legende war diese Frau. Wär ja der Clou gewesen, wenn der Kommunale Kulturkreis Ampfing einen Wettbewerb ausgeschrieben hätte: Wer den Namen von „Madame U.“ nennt, darf „Madame U.“ mit nach Hause nehmen – oder zumindest gratis zu Willy Reicherts Burg reisen.

Die Ausstellung „Wiedersehen in Ampfing“ in der Grundschule Ampfing ist bis zum 2. April (Ostermontag) zu ausgewählten Zeiten geöffnet. Weitere Informationen unter Telefon 08636/7123.

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