Wundervoll beseelt

von Redaktion

Ildikó Szabó, Violoncello, und Jesse Flowers, Gitarre, gestalteten ein außergewöhnliches Töginger Kammerkonzert

Töging – Mit Werken aus der Klassik, aber auch der spanisch-südamerikanischen neoklassizistischen Folklore waren die beiden Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs, Ildikó Szabó (Violoncello) und Jesse Flowers (Gitarre), zu Gast im zweiten Töginger Kammerkonzert.

Um es vorwegzunehmen: Beide Künstler ließen ihre Interpretationen zum Ereignis werden, ihr Zusammenspiel bestach durch vollendete Präzision und Übereinstimmung. In allen gespielten Werken glänzte das Duo durch exzellente Virtuosität in traumhaftem und klangsinnlichem Zusammenspiel.

Der Konzertabend begann mit einer Sonate für Cello und Bassocontinuo von Luigi Boccherini – einem effektvollen Werk voller verzierungsreicher Kantabilität in einer Bearbeitung für Cello und Gitarre von Szabó und Flowers. Die beiden Künstler bewiesen ihr Können besonders bei den spieltechnisch recht anspruchsvollen, häufigen Akkordgriffen.

Es folgte Franz Schuberts berühmte „Arpeggione-Sonate“ a-Moll, D 821, die als echtes Unikum der Kammermusik gilt, hält sie doch noch heute die Erinnerung an einen instrumentenbaulichen Sonderling nach: einem gitarrenähnlichen mehrsaitigen Streichinstrument, das 1823 von dem Wiener J. G. Staufer gebaut wurde. Im zweiten Töginger Kammerkonzert wurde dieser Part wundervoll beseelt von dem Violoncello gespielt – mit Empfindung und musikalischem Tiefgang für die Modulationen des Adagio, aber auch für die virtuosen Passagen gerade im zweiten Couplet des Rondo. Die interpretatorische Auffassung der beiden Künstler war zutiefst beeindruckend.

Nach der Pause waren Werke der spanisch-südamerikanischen Neoklassik angesagt, in denen die Folklore der Länder und hier gerade auch die Gitarre zu ihrem Recht kam. In einer eigenen Bearbeitung für Cello und Gitarre spielten Ildikó Szabó und Jesse Flowers zunächst aus den „Cuatro Estaciones Porenas“ von Astor Piazolla – aus den Vierjahreszeiten den Winter. Bei restlos überzeugender Aufführungspraxis war es schlicht fabelhaft, was die beiden jungen Interpreten hier aus dem Werk im Original für Violine, Klavier, E-Gitarre, Kontrabass und Bandoneon machten. Gleiches galt auch für Jesse Flowers allein und seine beeindruckende Interpretation der einsätzigen Sonate, op. 47, des Argentiniers Alberto Ginastera. Er blieb den technischen wie stilistischen Hürden – Ginastera spielte übrigens selbst nicht Gitarre – dieser Solosonate nichts schuldig, in der die Gitarre auch für alle möglichen akustischen Effekte herhalten muss: unter anderem als Schlagzeug für Triller oder Glissandi.

Zum Abschluss standen dann Manuel de Falla‘s „7 Canciones Populares Espanotas“ – im Original für Gesang und Klavier – auf dem Programm. Aber auch die Bearbeitung für Cello und Gitarre hat ihre Reize: Cello als Singstimme, dazu kammermusikalische Intimsphäre à la espanol, mit romantisch-impressionistischen Farben. Dabei aber auch zupackendes expressives Spiel, das sich zu großer Gestik steigerte.

Der Lohn für die Künstler: Langanhaltender Beifall eines hingerissenen Publikums. Der Lohn für die Besucher: als Zugabe „Beau soir“ (schönen Abend) von Claude Debussy.

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