Wasserburg – Wie klug war es von Johannes Berger und seinem Ensemble, sich mit einer Abkehr vom ursprünglichen Programm mit Händel, Telemann, Vivaldi ausschließlich auf die Kraft und den Reichtum der Musik des südlichen Barock zu besinnen und sich auf Komponisten wie Giuseppe Torelli, Agostino Steffani, Evaristo Dall´Abaco, Pietro Torri und Antonio Vivaldi zu beschränken.
Zu beschränken? Eher sollte man sagen: die Vielfalt an Einfällen in Bezug auf die Gestaltung musikalischer Materie, auf Klangexperimente, zu nutzen, eine Vielfalt, welche die nördlicheren Spielarten des Barock mitunter bieder erscheinen lässt.
Natürlich, Barockmusik lebt heute vor allem von der Freiheit der Gestaltung – dabei muss historische Praxis kein Hemmschuh sein. Aber geradezu entfesselt nutzten die Spieler an barocken Streichinstrumenten, an Barocktrompete, -Oboe und an Theorbe unter Bergers Leitung solche Freiheiten, ja man darf sagen: Es war die auch ins Auge fallende Ensembleleistung, welche dem Abend das Gepräge verlieh.
Dabei sei das Lob der Solisten des Abends nicht hintangestellt: Vor allem bei Matthew Sadler an der Naturtrompete, bei Claire Sirjacobs Barockoboe, bei den Geigern Dmitry Lepekhov und Ava de Araujo Madureira; nicht vergessen sei der Star des Abends, Marie-Sophie Pollak, die mit südlich-hellem Sopran und mit untrüglicher musikalischer Sicherheit weltliche Arien aus dem Schaffen von Agostino Steffanie und Pietro Torri gestaltete, doch auch in Vivaldis Motette dem geistlichen Anspruch souverän Rechnung trug.
Was für hinreißende Beispiele gelungenen Zusammenspiels: der Sopran im Trio mit Trompete und Oboe – ein Wettstreit um virtuose Passagen und Koloraturen; Nachtigallenschlag zwischen Geige und Sopran; die Oboe als gleichwertige Ergänzung zur Singstimme.
Wenn im „Grave“ des Oboenkonzerts von Dall´Abaco Theorbe und Violone (die barocke Bezeichnung für den Kontrabass) zirpend den Rhythmus prägten, Johannes Berger an der Truhenorgel kaum hörbar, aber doch in der Gestik eindringlich das Heft in der Hand hielt: Da erfuhr barocke Kunst des Zusammenspiels für die Gegenwart großartige Impulse und Farbigkeit.
Terzenläufe von Orgel und Geige wie aus einem Instrument im Konzertsatz von Vivaldi, ein Beispiel, übertragbar auf das gesamte Programm: Hier erlebte man perfekt ausgearbeitete und doch vom Augenblick inspirierte Musik.