Quer durch Absurdistan

von Redaktion

Ulan & Bator kommen im Mühldorfer Haberkasten vom Seriösen ins Alberne und vom Hintergründigen ins Chaos

Mühldorf – Wer einen roten Faden im Programm von Ulan & Bator sucht, der sucht vergebens. Aber das sind die Zuschauer im Haberkasten gewöhnt. Die beiden sind keine Unbekannten in Mühldorf. Am Donnerstagabend präsentierten sie ihr aktuelles Programm „Irreparabeln“.

Die bunten Strickmützen aufgesetzt und los geht’s: Ulan & Bator wollen sich noch immer in keine Schublade pressen lassen, stattdessen haben sie sich aus jedem Genre mit einem Baustein für ihr Programm bedient. „Irreparabeln“ ist von allem etwas: ein bisschen Kabarett, ein bisschen Theater, A cappella, Comedy und ein bisschen Dada. Es gibt keine Szenen, keine Pausen, einfach nichts, was dem Publikum den Übergang vom einen zum anderen markieren würde. Ulan & Bator kommen vom Seriösen ins Alberne, vom Hintergründigen ins Chaos – ohne dazwischen auch nur einmal Luft zu holen.

Die beiden sind Sprachkünstler: Worte, die eigentlich gar nicht zusammengehören, bilden absurde Welten und fügen sich am Ende doch. Die abgedroschensten Floskeln aus Film und Fernsehen – von „Hier gibt es nichts mehr für uns zu tun“ über den legendären Ausruf „Indianer!“ bis hin zu „Nimm mich an ihrer Stelle“ – werfen die beiden scheinbar unmotiviert zu einem Medley zusammen, das dann plötzlich wieder eine eigene Geschichte erzählt – oder waren es zwei, oder drei?

„Auf dem Mond gibt es Parkplätze ohne Ende.“Ulan & Bator

„Irreparabeln“ hat Dynamik, hat Tempo. Irrwitzig schnelle Passagen wechseln sich ab mit langsamen, eingängigen Dialogen, die nichts an Esprit missen lassen. Ulan & Bator beherrschen das gleichzeitige Sprechen, in einer Geschwindigkeit, dass dem Publikum schwindelig wird und wie es sonst nur bei streitenden Italienern zu hören ist.

„Irreparabeln“ fordert vom Zuschauer höchste Aufmerksamkeit. Das Programm verpackt ernste Themen und seriöse Information in die Absurdität des Alltags. Eine hochpolitische Raucherpause mündet in den Kniefall vor dem Kühlschrank, Ulan & Bator gehen „Drohnenfüttern im Park“, besuchen das „Sozialhilfemuseum“ und kommen zu Feststellungen à la „Auf dem Mond gibt es Parkplätze ohne Ende“. Im größten Sockenkaufhaus der Welt überstehen Socken sogar die Kernschmelze, alles „tippitoppi“, finden auch die Eltern, die ihre Kinder als Werbeträger verkauft und ihnen Markennamen gegeben haben. Das ganze findet – mal abgesehen von zwei Stühlen – vollkommen ohne Schnickschnack und Requisiten oder Instrumente statt. Doch der Zuschauer vermisst nichts. Ulan & Bator haben alles dabei, was sie brauchen: ihre Stimmen, feinste Gestik und eine unvergleichbare Mimik.

Erst wenn man Ulan & Bator gesehen hat, weiß man: Nichts ist unmöglich. Nicht einmal die Inszenierung eines modernen Opus klassischer Musik – mit Stühlen, die einfach nur über den Haberkasten-Boden geschrammt werden.

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