Das Deutsche an Prag

von Redaktion

Das Ehepaar Kunzmann hat einen Film über die „goldene Stadt“ gedreht – aus purer Leidenschaft

Mehr als nur ein Hobby: Adolf Kunzmann hinter seiner Kamera.Foto KUNZMANN

Mühldorf – A kommt vor H. Also Adolf vor Herta. Deshalb der Untertitel zur soeben fertiggestellten DVD über „Prag. Die goldene Stadt“: „Ein Dokumentarfilm von Adolf und Herta Kunzmann“. Seit Jahren treibt das Mühldorfer Ehepaar die Leidenschaft des Dokumentierens via Filmkamera aus dem Leitenfeld hinaus – zuerst ganz Mühldorf-nah in den Isengau, wenig später ins Obere Rottal (wir berichteten) und in den drei letzten Jahren über die deutsche Ostgrenze weg in die Metropole der Tschechen.

„Elf Tage waren wir drüben“, nicht auf einen Sitz, sondern in vier Abschnitten, erklärt Adolf Kunzmann. So jung sind die beiden Hobbyfilmer nicht mehr, dass ihnen längeres strapaziöses Unterwegssein nichts ausmachte. Prag-Reisen wollen schließlich exakt vorbereitet sein, wenn sie mehr bringen sollen als einfach vom Hradschin über die Kleinseite zur Karlsbrücke und über den Altstädter Ring zum Wenzelsplatz zu schlendern – davon halten Herta und Adolf Kunzmann gar nichts. Sie wollen sich mit Bedacht auf die vier Räder und ihre zwei Beine machen und einen handfesten, überdauernden Ertrag – gefilmte Eindrücke von den Schönheiten der zum Weltkulturerbe zählenden Moldau-Stadt – mit nach Hause nehmen.

Kein Auftraggeber, der für die Kosten aufkam, kein Institut, das den Kunzmanns das Konzept vorgab, niemand, der ihnen etwas vorschrieb oder einflüsterte – alles privat, alles für sich selbst. Freilich mit Blick auf ein offenes Publikum, das sich insbesondere für die Geschichte und deren ungezählte hinterlassene Spuren interessiert – in Gässchen und auf Plätzen, an wuchtigen und wichtigen Gebäuden, an Palästen und Gotteshäusern, in versteckten Winkeln, berühmten und neu entdeckten Einkehren fern oder inmitten des Touristen-Rummels, selbstverständlich an den mindestens hundert himmelragenden profanen und „heiligen“ Türmen Prags.

Der Film, der mit Smetanas „Moldau“-Klängen einsetzt, dann aber lieber volksnahe Töne von Straßenmusikanten oder Folkloregruppen einfängt, drängt sich dem Betrachter nicht auf – er lädt ihn zu einem lockeren Spaziergang ein. Freilich hält er jeweils dort länger an, wo sich Prager, nein böhmische, also auch deutsche Geschichte ereignete – im St.-Veitsdom mit dem Grabmal des heiligen Johannes von Nepomuk, in der Kirche „Maria zum Siege“ mit dem wundertätigen Prager Jesulein, im Senatsbau, in der „Karlova“, auf dem Judenfriedhof und bei den „Fenstersturz“-Tiefen.

Adolf Kunzmann hat sich genau in der zur Genüge vorhandenen Prag-Literatur informiert. Er gibt in seinem selbst gesprochenen Kommentar Fakten und Daten zu Geschichte und Kunst, Architektur und Tourismus wieder, die trotz ihrer Jahreszahl- und Namensfülle den Zuschauer weder ermüden noch abstumpfen. Vielleicht wartet der eine oder andere auf das Thema Franz Kafka oder Vaclav Havel – aber die Kunzmanns taten gut daran, ihr Werk nicht zu überfrachten. Es ist als „Appetizer“ gedacht.

Ganz besonders gelungen sind Kunzmanns Nachtaufnahmen, auch die vielen Draufsichten – etwa auf das rege Leben auf der Karlsbrücke oder die Einkehr in die niedrigen bunten Alchimistenhäuschen im Goldenen Gässchen. Ganz besonders gern richteten die Filmer ihre Kamera auf Deckengemälde, ob in der Klosterbibliothek oder Kirchenkuppel. Und noch einmal ganz besonders: Stark prägen sich die lichtvollen Architekturen von der Romanik über das Barock bis hin zu Bauten des Jugendstils und des Art déco ins Gedächtnis.

Unaufdringlich, aber nicht verdeckt geht Adolf Kunzmann bewusst auf das Deutsche im tschechischen Prag ein. Ein Freund aus der Gymnasialzeit, „ein echter Bayer“, habe ihm gesagt: „In Prag hat man das beste Deutsch gesprochen.“ Ob das, so mutmaßt Kunzmann, womöglich „eine Art Diaspora-Effekt“ war? Zweifellos haben Deutsche und Deutschsprachige aus Bildender Kunst, Architektur, Literatur, Wissenschaft und Musik Prag zu dem gemacht, was es heute geblieben ist – eine der bedeutendsten, von Kriegszerstörungen kaum beeinträchtigten Vorzeigestädte Europas. Namen wie Parler, Dientzenhofer, Asam, nicht zuletzt Mozart fallen auch im Kunzmann-Film immer wieder. Herta und Adolf Kunzmanns 59 Minuten dauernder „Prag“-Film, aufgenommen in den jeweils lichtfreundlichsten Monaten Mai und September, ist für 19 Euro zu erwerben. Er hat das Zeug dazu, im Betrachter die Sehnsucht nach baldiger Begegnung mit einer vielgestaltigen, lebensvollen Kultur-Großstadt und ihren zahlreichen Überraschungen zu wecken.

Bestelladresse:

Adolf Kunzmann, Leitenfeld 37,

84453 Mühldorf, Telefon 08631/8822.

Zwei Vorführungen

Prag, die goldene Stadt: Filmvorführungen stehen am Montag, 23. April, im Kulturhof Mettenheim und am Dienstag, 24. April, im Herzoglichen Kasten in Neumarkt-St. Veit auf dem Programm. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Außerdem zeigen Adolf und Herta Kunzmann einen weiteren Dokumentarfilm über das Burgfest Burghausen. Karten gibt es an der Abendkasse.

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