Mühldorf – Melone oder Schiebermütze auf dem Kopf, dazu Jeans und Turnschuhe, Weste, darunter Hemd oder T-Shirt: lässig-elegant und etwas abgedreht. Wie das Outfit ist, auch die Musik der Band „Dream Catcher“. Abgedreht, rockig, mal klingt ein französischer Chanson hindurch, mal lässt die Akustikgitarre amerikanischen Country und Honky Tonk erahnen. Und über allem thronen Geige und irische Volksmusik.
Dazu springen, tanzen und rocken die luxemburgischen Musiker mit durchdringendem Rock-Beat über die Bühne. Und so passt die Beschreibung ihrer Musik als Raggle Taggle Folk – frei übersetzt: ungehobelte Folklore – eigentlich sehr gut. Nur von den – in der Ankündigung versprochenen verträumten, melancholischen und sinnlichen – Liedern haben die 80 Zuschauer in der ersten Hälfte des Konzerts nichts bemerkt.
Erst in der zweiten Hälfte lassen es die Traumfänger etwas ruhiger angehen. Sänger John Rech erzählt von den Tücken des Älterwerdens, von einem Sehnenriss auf der Bühne und besingt die Geburt seiner Tochter. Doch selbst wenn ein solches Lied ruhig und melancholisch beginnt, so können es die Musiker einfach nicht lassen: Irgendwann donnert die Basstrommel, zerstört alles Sinnliche. Selbst Geiger Wolfgang Wehner schrubbt in diesen Momenten ohne Melancholie über die Seiten und gibt vorne auf der Bühne zusammen mit Sänger Resch den Ton an.
Der Spaß kommt dabei nie zu kurz. Resch berichtet von Auftritten in Japan mit 17 Besuchern und einer Bühne von einem Quadratmeter Größe. „Dream Catcher“ wissen, dass sie auch nach 20 Jahren außerhalb ihres Landes relativ unbekannt sind, nehmen es aber mit viel Humor. Zum Jubiläum haben sie in einer Eisenerzmiene gespielt – mit viel Respekt gegenüber den Bergarbeitern. Ihr Logo, eine gelbe Quietscheente mit Augenklappe und gekreuzten Knochen, hatten sie kurzerhand abgewandelt: in eine Ente mit Helm und gekreuzten Hämmern.
Herausragend war im Mühldorfer Haberkasten die Kommunikation mit dem Publikum: kein Lied ohne dazugehörige Geschichte. Und obwohl die Besucher vom Elan der Rockmusiker teilweise überrannt schienen, gelang es den sechs Männern an Gitarre, Geige, Schlagzeug sowie abwechselnd Akkordeon und Keyboard, die Besucher zum Mitsingen zu animieren.
Außerdem nahm sich Sänger John Resch immer wieder zurück und ließ so genügend Raum für die Soloeinlagen und das Können seiner Musikerkollegen. 100 Prozent gute Laune vom ersten bis zum letzten Takt.