Auf dem Spielplatz mit Clara Loft

von Redaktion

„Menschenskinder“ – Musikkabarett mit „geBallter“ Windelpower im Kulturhof

Mettenheim – Wenn Franziska Ball die Bühne betritt, füllt ihre Präsenz den ganzen Raum. Das liegt nicht unbedingt an ihrem Outfit, denn als Dreifachmama „Clara Loft“ trägt sie lieber T-Shirt und Schlabberhosen, dazu einen mit überlebenswichtigen Babyutensilien ausgestatteten Mehrzweckgürtel. Balls Ausstrahlung kommt von innen, sie fasziniert durch Können, Temperament und Humor. Mit ihrer Stimme und ihrem hinreißenden Auftreten verkörpert sie die Weiblichkeit in Vollendung.

Den Part der Diva überlässt sie lieber ihrem mit elegantem Frack und amerikanisch warmherzigem Charme ausgestatteten Begleiter Marty Jabara, der als Erziehungsberater „Peano Reeves“ schon mal die Rote Karte zieht, wenn Clara sich im Ton vergreift. Nicht nur das weibliche Publikum beeindruckt er durch sein grandioses Klavierspiel.

Auf der Bühne sind sie ein unschlagbares Team, das sich witzig, spritzig und vor allem hochmusikalisch mit originell ein- und umgearbeiteten Hits aus Schlager, Pop und Musical durch den „ganz normalen“ Familienwahnsinn manövriert.

Ort des Geschehens ist ein Spielplatz, auf dem „Clara Loft“ – früher auf der Karriereleiter, jetzt „glückliche“ Hausfrau und „späte“ Vollzeitmutter – ihre drei Kinder beaufsichtigt, weil wieder einmal die Kita streikt. Mal keck und resolut, mal sinnlich, auf jeden Fall voll- und wohltönend schildert und besingt sie den Alltag des Mutterdaseins („Ich bin von Kopf bis Fuß auf Wickeln eingestellt“); den schier aussichtslosen Kampf gegen schlaflose Nächte, Kinderkrankheiten („Fever“), Heißhungerattacken und „Materialermüdung“ im Sinne von Still- und Hängebusen („Yesterday“).

Es geht um heiße Rivalitäten zwischen Supermamis („Alles was deins kann, kann meins noch viel besser“), Einbußen im Eheleben („It’s Now Or Never“), süchtig machende Oxytocinstöße („Du bist mein Oxytocin“ ) und eiserne Nerven beim vierfachen Einkaufsmarathon, umgesetzt in einer atemraubenden Gesangsversion des berühmten „Cancan“ aus Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“.

Ganz schön anstrengend dieses Mama-Leben, doch um das Heimchen am Herd-Image verlassen zu können, braucht es sehr viel Selbstvertrauen („Ich steh‘ das durch, ich halt‘ das aus“). In der Not hilft Ginsengtonikum – „rein pflanzlich“ natürlich –, aber egal: Hauptsache 34 Prozent Alkohol.

In ihren Träumen gibt Clara die Femme fatale („Sex Bomb“ – mein Pulli ist verkleckert und im Haar klebt ein Bonbon“) und die Zuschauer lachen Tränen, als sie zu „Don’t Tell Mama“ auch noch einen heißen Striptease hinlegt.

„Menschenskinder“ ist ein musikalisch kabarettistisches Gesamtkunstwerk, in dem Ball & Jabara zur Höchstform auflaufen. Das Publikum im Mettenheimer Kulturhof dankte mit begeistertem Beifall und freut sich schon auf den zweiten Teil der Dramödie. Aus dem neuen Programm „Mütterdämmerung“ gab es dann auch noch eine Zugabe.

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