Kulturschuppn

Ein Fest der Albernheiten

von Redaktion

Schwarzhumorige Politkomödie im Kulturschuppn: Das Frühlingstheater im Kulturschuppn ist ein Fest der Albernheiten. Ein amerikanisches Stück – unglaublich schräg und meisterlich gespielt.

Mühldorf – Wer hätte das gedacht? Wie einfach kann es doch sein, die Wahlprognosen eines chancenlosen Senatskandidaten zu manipulieren. Man muss ihn nur erschießen. Pietätlos? Ja, und es wird noch grotesker. Das Stück des Amerikaners David C. Hyer „Der Deckel bleibt zu“ ist eine schwarzhumorige Politsatire, die in einem Bestattungsinstitut spielt, wo sich alles sprichwörtlich um den Sarg des toten Kandidaten Ed dreht, der zwischenzeitlich auch mal auf Wanderschaft geht. Der Sarg, nicht Ed, wobei auch das nicht immer klar ist. Daher auch die Devise: Der Deckel bleibt zu!

Alles sieht so aus, als wäre Ed bei einer Schießerei umgekommen. Als guter amerikanischer Bürger hat er sein Heim gegen Eindringliche verteidigt. Ein Stoff, aus dem sich ein Nationalheld stricken lässt. Das sich im Nachhinein die Faktenlage doch ganz anders darstellt, ist eine Strategie des Stückes, das auf Verwirrung und Verwechslungen setzt: Alles wird immer noch alberner, absurder.

Das Stück lebt aber nicht allein von seiner zugegeben völlig überdrehten Geschichte, die es trotz der schrägen Handlung schafft, einen Spannungsbogen bis zum Ende aufrecht zu halten. Was das Stück so sehenswert macht, sind die durchweg großartig gespielten Dialoge.

Über zwei Stunden lang liefern sich die Figuren einen verbalen Schlagabtausch, witzige Wortgefechte – temporeich, derb, gespickt mit vielen verdeckten Anspielungen, sodass das Stück phasenweise wirkt wie eine Sitcom.

Die Ehefrau soll es richten

Da ist Edna, die Ex-Frau des Senators, wunderbar lässig gespielt von Bianca Schamper, die die Beerdigung ihres Ex organisieren muss: Stand halt so im Testament. Im Beerdigungsraum trifft Edna den Wahlkampfmanager und Strippenzieher Herb. Günter Polacek spielt den Herb als herrlich abgestumpften Polit-Junky, immer unter Strom und bestrebt seinen Kandidaten ins positive Licht zu rücken. Dabei ist ihm keine Idee zu absurd. Fundraising für einen toten Kandidaten? Warum nicht. Merkt der Wähler ja eh nicht. Wahlkampf endet nie – auch nicht im Jenseits.

Während Wahlkampfmanager Herb die Ex-Frau davon überzeugen will, an Eds Stelle zu kandidieren, taumelt die nächste Verwirrung in Form von Buttons auf die Bühne. Sie ist die Geliebte des Senators und die Krönung der Albernheit. Allein wie Andrea Schaumeier das Flittchen spielt, den reizend hilflosen Wally (Benedict Korbacher) bezirzt und ihre Dummheit in bester Sitcom-Manier zur Schau stellt, avanciert im Laufe des Stückes zum Running-Gag. Damit nicht genug.

Es gibt noch mehr schrullige Charaktere. So etwa der neureiche und ständig zugekokste Bruder Harry (Claus Köhler) und die hysterische, tablettensüchtige Witwe Margo (Renate Köhler), die beide stets schrill und laut agieren. Einzig der Gouverneur Fred (Michael Fliegner) nimmt etwas Tempo aus der Geschichte. Aber auch das leicht Getragene seiner Rolle schützt ihn nicht davor, als Kunde von Buttons entlarvt zu werden.

Was das Ensemble alles kann

Wenn sie alle zusammenkommen, wird vertuscht, geflunkert und darum geschachert, wer die Nachfolge von Ed antreten soll. Am Ende ist es ein sehenswertes Fest der Albernheiten, makaber und sehr überspitzt. Wobei viele Zuschauer in der Pause durchaus einen Bezug zum allgegenwärtigen amerikanischen Politiktheater herstellen konnten.

Ein Stück, das wieder einmal die Bandbreite dessen aufzeigt, was das Ensemble des Kulturschuppn auf die Bühne bringen kann. Regie führte Christoph Luber, Produktionsleitung hatte Magdalena Eckmans.

Artikel 7 von 7