Eine Sternstunde des Liedgesangs

von Redaktion

Sopranistin Birgid Steinberger präsentierte im Zangberger Ahnensaal die ganze Bandbreite ihres Könnens

Zangberg – Die Vorankündigung hatte nicht zu viel versprochen, denn was die Sopranistin Birgid Steinberger und ihr Klavierbegleiter Josef Überacker den Zuhörern am Samstagabend in dem bis auf den letzten Platz besetzten Ahnensaal des Klosters Zangberg präsentierten, war eine Sternstunde des Liedgesangs.

Das breit gefächerte Konzertprogramm war in sinnvolle Blöcke aufgeteilt, die jeweils einem Komponisten gewidmet waren. So begann der Abend mit dem Schubert-Block und dem Lied „Hast du Liane nicht gesehen?“ Vom ersten Takt an sang sich Birgid Steinberger mit ihrer kristallklaren Stimme in die Herzen der Zuhörer. Auch die weiteren Schubert-Juwelen „Lied der Anna Lyle“, „Romanze“ und „Die junge Nonne“ interpretierte die renommierte Sopranistin farbenreich.

Glanzpunkte des Konzerts aber waren zweifellos die lyrischen „Mignon-Lieder“ aus Goethes Wilhelm Meister: In „Kennst du das Land“, „Heiß mich nicht reden“, „So lasst mich scheinen“ und „Nur wer die Sehnsucht kennt“ überzeugte die Sopranistin mit vorbildlicher Phrasierung und Artikulation – kongenial begleitet von Josef Überacker.

Nach der Pause standen „Deutsche Volkslieder“ von Johannes Brahms auf dem Programm: „Feinsliebchen“, „Dort in den Weiden“, „All mein Gedanken“, „Da unten im Thale“, „Schwesterlein“ und „In stiller Nacht“. Wohlklang füllte den Ahnensaal, da Birgid Steinberger einmal mehr den Ausdrucksgehalt der Lieder vollkommen ausschöpfte. Im Schluss-Block erklangen dann – von Birgid Steinberger wunderbar gesungen – Stücke aus dem „Spanischen Liederbuch“ nach Gedichten von Paul Heyse und Emmanuel Geibel von Hugo Wolf. Dabei zauberte Josef Überacker im „Kling, kling mein Pandora“ mit prägnantem Klavieranschlag Tamburinschellenklang aus den Tasten und machte dieses Lied so mit dem typisch spanischen Kolorit zu einem tollen Erlebnis.

In den wohl bekanntesten und beliebtesten Liedern dieses Zyklus – „In dem Schatten meiner Locken“ und „Bedeckt mich mit Blumen“ – akzentuierte Birgid Steinberger mit klarer Stimme kunstvoll die Feinheiten der Texte. Ihren Humor bewies sie im abschließenden Lied „Geh, Geliebter geh jetzt“, was dank ihrer lockeren Gestik und Mimik im Publikum manches Schmunzeln auslöste.

Für den lang anhaltenden Beifall bedankten sich die Künstler mit den heiteren Liedern „Och Mod‘r ich well en Ding han“ von Brahms und „Seligkeit“ von Schubert. Es war das Ende eines Liederabends der Musikfreunde, den man nicht vergessen wird.

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