Einfach brillant

von Redaktion

Am Donnerstagabend begeisterte das Tingvall Trio im Haberkasten das Publikum – wieder einmal

Mühldorf – Sie gehören schon jetzt zu den Höhepunkten der Saison: Das Tingvall Trio aus Hamburg sorgte am Donnerstagabend mit seinen leidenschaftlichen, starken Melodien, mit bewegenden Balladen und mit spannungsgeladenen, teils explosiven Stücken für einen musikalischen Hochgenuss im Haberkasten.

Namensgeber und Komponist des Trios ist der schwedische Pianist Martin Tingvall. Kontrabassist Omar Rodriguez Calvo stammt aus Kuba, Schlagzeuger Jürgen Spiegel kommt aus Bremen. Jeder für sich ist ein Virtuose an seinem Instrument, aber herausragend ist nun einmal ihr wunderbares Ensemblespiel: ein samtiger Kontrabass, ein meist rockiges Schlagzeug und ein Piano, das zwischen Klassik, Jazz und Pop rangiert. Die Performance der drei passionierten Musiker ist ein Erlebnis – selbst für diejenigen, die mit dem Genre Jazz wenig anfangen können. Auch wenn es vor überschwänglichen Improvisationen mal brodelt, bleibt es stets melodiös.

Für Begeisterung hatte das Trio bereits vor zwei Jahren gesorgt, als es zum ersten Mal im Haberkasten zu Gast war. Die meisten Stücke an diesem Abend stammten nun von ihrem neuen und siebten Album ‚Cirklar‘. Deutlich zu erkennen: In die Musik des Tingvall Trio ist mehr Ruhe gekommen.

Das Eröffnungsstück „Evighetsmaskinen“ – also die Ewigkeitsmaschine – wiederholt stets dasselbe Motiv, wird aber mit jedem Turnus um neue Elemente angereichert. Gleichzeitig beschreibt es damit das Thema des neuen Albums: „Cirklar“ steht für Kreise, die wie bei den Jahresringen eines Baumes, wachsen. Dass das Trio Musik darüber hinaus mit viel Humor betrachten kann, beweisen Tingvall & Co. mit „Skans Blues“. Ein Stück, das so gar nichts von einem schwermütigen Blues an sich hat, sondern fröhlich und getrieben daherkommt. Martin Tingvall nennt es deshalb augenzwinkernd auch einen „Fake Blues“.

Von Beginn an quittierten die Haberkasten-Besucher das Programm mit Bravorufen und viel Applaus. Auch weil das Trio Momente erzeugt, die wie Filmmusik klingen, die Landschaften vor dem inneren Auge auftauchen lassen oder die Zuhörer mit klassischen oder romantischen Sequenzen verzaubern. Zwischendrin moderiert Martin Tingvall. Er spricht Deutsch, schwedisch gefärbt, und erzählt davon, wie die Stücke entstanden sind. Die Idee zu „Bland Molnen“ (Zwischen den Wolken) etwa kam ihm hoch oben in der Loge der Elbphilharmonie nach einem Konzert. Die glitzernden Lichter der Stadt, dazu die Stille – und plötzlich hatte er diese Melodie im Kopf.

Außerdem standen im Haberkasten auch Tingvall-Klassiker wie „Vägen“ (Der Weg) auf dem Zettel, das die Geschichte des Trios erzählt. Nicht nur dafür gab es zurecht begeisterten Applaus.

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