Prohibition, Prostitution und Korruption: Odyssey Dance Theatre tanzt im Chicago der 1920er wie im Rausch

von Redaktion

Al Capone ist allgegenwärtig und streckt immer nur seinen weißen Hut hin: Bei den zwielichtigen Schmugglern, bei den korrupten Polizisten, bei den Freudenmädchen. Jeder muss zahlen. Denn wenn das Odyssey Dance Theatre aus Salt Lake City zu „Chicago Night“ in Waldkraiburgs Haus der Kultur einlädt, kommt man nun einmal nicht am berühmtesten Verbrecher der US-amerikanischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts vorbei. Es sind die Zeiten, in denen Alkohol von Staats wegen verboten war und die Mafia ihre Blützeit erlebte. Als Tanztheater lud das Ensemble um den Choreografen Darry Yeager zu einem zweistündigen Geschichtsunterricht ein, der das frivole und lasterhafte Nachtleben Chicagos aus verrauchten Hinterzimmern auf die Bühne projizierte. Hinterlegt mit Bildern aus jener Zeit wurde die Geschichte der Roxie Hart (Amber Morain) erzählt, die im Affekt ihren Geliebten ermordet, dank Mafia-Boss Al Capone (Casey Peterson) frei gesprochen wird und Teil dieses Nachlebens wird, in welchem Bestechung, Mord und Gewalt an der Tagesordnung sind. Es ist beileibe kein klassisches Ballet, welches das Tanztheater präsentiert. Stattdessen erzählen auch viele moderne Einflüsse des Street Dance zum Teil drastisch persiflierend diese Epoche – vom lasziven Ausdruckstanz der Freudenmädchen über torkelnde Hausmütterchen bis hin zu raufenden Trunkenbolden und Spielern, die zur Jazzmusik der 20er-Jahre ebenso effekthaschend die Blicke auf sich ziehen, wie der Charleston im Techno-Kleid. Herausragend: der „Cell Block Tango“, wenn die betrogenen Ehefrauen zum mordenden Mob werden (rechts oben). Die Chicagoer Nächte schaukeln sich hoch bis zum Höhepunkt der Bandenkriege, dem berühmten „St. Valentine‘s Massacre“ 1929 – verbunden mit verstörenden Projektionen der Toten auf den Bühnenhintergrund. „Just Move On“ tanzten Roxie Hart und Al Capone munter weiter (Bild links), bevor sich schließlich das gesamte Ensemble noch einmal zum großen Finale auf der Bühne versammelte, begleitet von Beifallsstürmen des Publikums im großen Saal, der nicht ausverkauft war. Dabei hat sich die Qualität der Tänzer aus Salt Lake City eigentlich längst herumgesprochen, die nicht zum ersten Mal nach Waldkraiburg gekommen waren. Hoffentlich nicht zum letzten Mal – auch wenn sämtliche Darsteller zum Schluss durch eine Maschinengewehrsalve hingestreckt wurden.Fotos je

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