Mühldorf – Gleich zum Auftakt präsentierten Son del Nene temperamentvolle Klänge fürs Kopfkino: Unweigerlich stellten sich Bilder einer überfüllten Bar in Havanna ein, in der alle auf den Beinen sind – Lebensfreude pur.
Der Stil der Band basiert auf dem traditionellen Son Cubano, einer Verschmelzung von afro-kubanischen Trommelrhythmen und spanischer Gitarrenmusik. Den Rhythmus beim Son gibt die Clave vor: einfache, runde Klanghölzer. Die wurden von Sänger und Frontmann Pedro Lugo Martinez (El Nene) gespielt.
Der 59-Jährige sticht an diesem Abend nicht nur mit seinem grauen Glitzeranzug, dem rotem Hemd und seiner aparten Mütze heraus. Seine mal sentimentale, mal feurige Stimme und sein Stil, der an den Son der 40er- und 50er- Jahre erinnern, prägen die Band.
Son del Nene steht dabei für authentische Töne: Kubanische Schlaginstrumente wie Clave, Congas, Güiro, eine Art Flaschenkürbis, auf dem geratscht wird sowie Bongos bestimmen den Rhythmus. Zum Teil spielen vier Musiker Schlaginstrumente, begleitet von Gitarre und Bass. Auf ein Piano wird verzichtet. Dafür setzen die Musiker auf eine Besonderheit des kubanischen Son, auf die Tres – ein der Gitarre ähnliches Saiteninstrument, das an diesem Abend von Arjady Lopéz Sanchez gespielt wurde. Die Tres mit ihren drei doppelchörigen Saiten drückt dem Son ihren ganz eigenen Stempel auf. Abgerundet wird das Ganze von der typisch, etwas blechern klingenden Trompete von Ernesto Montalvo Reyes. Aus dieser Mischung heraus präsentierten „Son del Nene“ im Haberkasten ältere und neue Stücke: mal Salsa, mal Rumba, mal Cha Cha Cha.
Klar, dass Frontmann Pedro Lugo Martinez das Publikum tanzen sehen will. Mit einem „Please, lets go“ und einem angedeuteten Hüftschwung wusste jeder, was gemeint war. Lange bitten musste El Nene nicht.
Nicht nur die beiden Gitarristen Arjadi Sanchez und Carlos Infante bewegten sich meist synchron zu ihrem Spiel im Salsaschritt. Dort, wo im Saal zwischen Bistrobestuhlung Platz war, tanzten die Besucher, wie etwa eine Salsagruppe aus Eggenfelden, die spontan in den Haberkasten gekommen war.
In der zweiten Halbzeit wichen die tanzfreudigen Besucher sogar auf den Flur aus. Das war sicherlich nicht nur dem Platz geschuldet, sondern auch der stickigen Luft im Saal, die sich auch mit dem Programmheft nicht wegfächern ließ. Und so entwickelte sich im Laufe des Abends das Konzert bei geöffneten Türen zu einem kleinen Salsafestival.
Als Zugabe spielten Sol del Nene den berühmten Klassiker „Chan Chan“ aus dem Repertoire von Buena Vista Social Club. Wer am Ende noch nicht stand, erhob sich zum Schlussapplaus mit vielen Bravorufen.