Wie kommt man auf die Idee, einen Dokumentarfilm über das Rasthaus Hohenlinden zu drehen?
Ich wohne in der Nähe der B12 und komme natürlich immer wieder an dem Rastplatz vorbei. Dabei fällt einem zwangsläufig auch das bunte Treiben auf: der Imbiss, der Flohmarkt, das Oldtimertreffen. Vor ein paar Jahren habe ich mir dann einfach einmal viel Zeit für einen Kaffee genommen und bin mit den Leuten im Rasthaus ins Gespräch gekommen. Bei meinem zweiten Besuch hatte ich dann gleich einen Kameramann dabei, es fand gerade ein großes US-Car-Treffen statt.
Wie haben die Menschen vor Ort auf die Kamera reagiert?
So mancher kannte mein Gesicht aus dem Fernsehen, das hat die Sache sicher einfacher gemacht. Aber im Grunde hat sich niemand wirklich stören lassen, das Leben im Rasthaus und am Parkplatz ging einfach seinen Gang. Und wir haben es im Hintergrund beobachtet. Über einige Jahre haben wir auf diese Weise zig Stunden an Material gesammelt, aus dem jetzt dieser Film entstanden ist.
Hätte es am Rastplatz nicht auch genügend Stoff für eine weitere bayerische Komödie aus dem Hause Lerch gegeben?
Durchaus, aber das war ja nicht unser Ansatz. Ich wollte einen reinen Dokumentarfilm machen. Nichts ist gespielt, nichts inszeniert. Was nicht heißt, dass der Film keine Geschichte hat. Es geht um das Rasthaus und seine Besitzer, um Vater und Sohn Lenz und Mane Ganter. Und es geht um das Drumherum, um die Events, um den Stammtisch. Kurz: Um die besondere Magie dieses Ortes.
Auf den ersten Blick ist ein Rastplatz nicht unbedingt ein magischer Ort.
Und doch herrscht gerade hier eine besondere Atmosphäre. Auch deshalb, weil irgendwie jeder Typ für sich ein Standing hat und sich niemand verbiegen muss. Der Ton mag manchmal etwas rauer sein, aber dafür geht es aufrichtig zu. Die Menschen machen sich auch in einem Rasthaus ihre Gedanken über das Leben, über den Tod und über die großen universellen Zusammenhänge. Und weil immer wieder jemand ankommt und abfährt, weht per se ein überregionaler Wind. So entsteht ein Bild von Heimat, das in Bayern genauso seine Berechtigung hat wie die Lederhosen und Neuschwanstein.
Gibt es für diese Art von Film ein breites Publikum?
Das wird sich zeigen. Bei der Uraufführung auf dem Münchner Filmfestival ‚DOK.fest‘ vor wenigen Wochen gab es zum Teil sogar Szenenapplaus. Ich finde schon, dass der Film trotz seiner Tiefe viel Unterhaltungscharakter besitzt und das Publikum mit einem guten Gefühl zurücklässt.
Eine erste Bewährungsprobe steht heute Abend bei der Vorpremiere an.
Einige der Protagonisten, die im Film vorkommen, sehen sich dabei tatsächlich zum ersten Mal auf der großen Leinwand. Für mich als Regisseur ist das dann natürlich noch einmal ein besonderer Moment. Zu erleben, wie die Reaktionen sind. Aber bei aller Spannung: Ich freue mich darauf. Und verstehe diese Vorpremiere auch als eine Art Verbeugung vor diesem besonderen Ort und seinen Menschen.