Aktuelles Interview: Regisseur Christian Lerch aus Wasserburg

Die Magie des Rasthauses an der B12

von Redaktion

„B12 – gestorben wird im nächsten Leben“ heißt der Dokumentarfilm des Wasserburger Regisseurs Christian Lerch, der heute Abend am Rasthaus in Hohenlinden Open-Air-Vorpremiere feiert. Im Interview spricht Lerch über die Idee zum Film und die besondere Magie am Rastplatz.

Wie kommt man auf die Idee, einen Dokumentarfilm über das Rasthaus Hohenlinden zu drehen?

Ich wohne in der Nähe der B12 und komme natürlich immer wieder an dem Rastplatz vorbei. Dabei fällt einem zwangsläufig auch das bunte Treiben auf: der Imbiss, der Flohmarkt, das Oldtimertreffen. Vor ein paar Jahren habe ich mir dann einfach einmal viel Zeit für einen Kaffee genommen und bin mit den Leuten im Rasthaus ins Gespräch gekommen. Bei meinem zweiten Besuch hatte ich dann gleich einen Kameramann dabei, es fand gerade ein großes US-Car-Treffen statt.

Wie haben die Menschen vor Ort auf die Kamera reagiert?

So mancher kannte mein Gesicht aus dem Fernsehen, das hat die Sache sicher einfacher gemacht. Aber im Grunde hat sich niemand wirklich stören lassen, das Leben im Rasthaus und am Parkplatz ging einfach seinen Gang. Und wir haben es im Hintergrund beobachtet. Über einige Jahre haben wir auf diese Weise zig Stunden an Material gesammelt, aus dem jetzt dieser Film entstanden ist.

Hätte es am Rastplatz nicht auch genügend Stoff für eine weitere bayerische Komödie aus dem Hause Lerch gegeben?

Durchaus, aber das war ja nicht unser Ansatz. Ich wollte einen reinen Dokumentarfilm machen. Nichts ist gespielt, nichts inszeniert. Was nicht heißt, dass der Film keine Geschichte hat. Es geht um das Rasthaus und seine Besitzer, um Vater und Sohn Lenz und Mane Ganter. Und es geht um das Drumherum, um die Events, um den Stammtisch. Kurz: Um die besondere Magie dieses Ortes.

Auf den ersten Blick ist ein Rastplatz nicht unbedingt ein magischer Ort.

Und doch herrscht gerade hier eine besondere Atmosphäre. Auch deshalb, weil irgendwie jeder Typ für sich ein Standing hat und sich niemand verbiegen muss. Der Ton mag manchmal etwas rauer sein, aber dafür geht es aufrichtig zu. Die Menschen machen sich auch in einem Rasthaus ihre Gedanken über das Leben, über den Tod und über die großen universellen Zusammenhänge. Und weil immer wieder jemand ankommt und abfährt, weht per se ein überregionaler Wind. So entsteht ein Bild von Heimat, das in Bayern genauso seine Berechtigung hat wie die Lederhosen und Neuschwanstein.

Gibt es für diese Art von Film ein breites Publikum?

Das wird sich zeigen. Bei der Uraufführung auf dem Münchner Filmfestival ‚DOK.fest‘ vor wenigen Wochen gab es zum Teil sogar Szenenapplaus. Ich finde schon, dass der Film trotz seiner Tiefe viel Unterhaltungscharakter besitzt und das Publikum mit einem guten Gefühl zurücklässt.

Eine erste Bewährungsprobe steht heute Abend bei der Vorpremiere an.

Einige der Protagonisten, die im Film vorkommen, sehen sich dabei tatsächlich zum ersten Mal auf der großen Leinwand. Für mich als Regisseur ist das dann natürlich noch einmal ein besonderer Moment. Zu erleben, wie die Reaktionen sind. Aber bei aller Spannung: Ich freue mich darauf. Und verstehe diese Vorpremiere auch als eine Art Verbeugung vor diesem besonderen Ort und seinen Menschen.

Zum Film: „B12 – gestorben wird im nächsten Leben“

Das „Rasthaus B12“ an der Bundesstraße 12 bei Hohenlinden ist scheinbar ein Ort der Bedeutungslosigkeit. Bei näherem Hinschauen aber ist es ein Platz, an dem die großen Lebensthemen verhandelt werden: Liebe, Tod, Freundschaft und Weißwürste. Ein Jahr lang begleitete Christian Lerch die Menschen, die auf dem Areal an der B12 leben und arbeiten, kurz anhalten, weil auf der Durchreise, oder Dauergäste sind. Es geht weniger um das, was sie machen, als um das, was sie geworden sind. Die Überlebensqualität der hier versammelten Originale speist sich aus Attributen wie sie einschlägig dem Bayern an sich zugeschrieben werden: Sturheit, Anarchie, Grundskepsis gegen jedwede Obrigkeit. Aber auch ein unangreifbares Zusammenstehen und die Entfaltung von Lebensfreude ist hier zu spüren. So ist ein Dokumentarfilm fürs Kino um Vater und Sohn Lenz und Mane Ganter entstanden, die es nicht immer ganz leicht haben. Jeder mit sich selber schon nicht und miteinander schon gar nicht.

„B12 – gestorben wird im nächsten Leben“ feiert am heutigen Samstag um 21 Uhr am Rasthaus Open-Air-Kino-Premiere und ist ab 19. Juli regulär im Kino zu sehen.

Zur Person: Christian Lerch

Bevor der Wasserburger Christian Lerch seine Karriere am Theater begann, absolvierte er eine Ausbildung an der Schauspielschule Graz. Es folgten Engagements am Münchner Volkstheater und den Münchner Kammerspielen. Im Fernsehen spielte er 1990 den Justizbeamten Karl Hermann in der Kultserie Café Meineid. Zusammen mit Marcus H. Rosenmüller schrieb Christian Lerch das Drehbuch für den Kinofilm „Wer früher stirbt ist länger tot“ und brachte als Drehbuchautor und Regisseur 2012 den Film „Was weg is, is weg“ in die Kinos.

Artikel 2 von 7