Mühldorf – Auch wenn man außer „coração“ also „Herz“ kein Wort Portugiesisch versteht: Cristina Brancos Stimme und die Musik ihrer Band hat über ihren gesamten Auftritt im Mühldorfer Haberkasten etwas Magnetisches.
Die Portugiesin gilt als eine der erfolgreichsten Fadistas. Dem Fado eilt der Ruf voraus, melancholisch zu sein; von Liebeskummer, sozialen Missständen oder Seelenschmerz an sich zu handeln. Die Sängerinnen tragen oft lange Kleider. Cristina Branco kam in schwarzer Hose und schlichtem, geblümten Hemd, kinnlange, braune Locken. Eine zierliche Person, die Ruhe ausstrahlt. Gegen Ende des Abends, nachdem sie und ihre Band mehr als eineinhalb Stunden ohne Pause gespielt hatten, sagte sie, dass sie früher einmal Schwierigkeiten damit hatte, ihre Gefühle auszudrücken. Dann habe sie dafür die Musik entdeckt.
Sie trifft jeden Ton – in den Höhen, in den Tiefen, leise Passagen, laute Passagen. Cristina Brancos Stimme klingt sehr klar. Der Ton der Band ist so gemischt, dass sie immer etwas lauter zu hören ist, als die drei Instrumente: Bernardo Couto an der Portugiesischen Gitarre, Bernardo Moreira, am Kontrabass und Luís Figueiredo an Klavier und Keyboards. Lieder in Moll dominierten. Aber eine traurige Grundstimmung hat Facetten. Und die hörte man deutlich, wenn Cristina Branco sang: nachdenklich, klagend, schwärmerisch.
Die ersten Songs des Abend stammten aus ihrem gerade erst veröffentlichten Album „Branco“. Man hörte dass die Portugiesin nicht nur vom Fado beeinflusste Musik macht, sondern auch Jazz mitschwingt. Oder Tango, der, wie Cristina Branco sagte, ohnehin mit dem Fado einiges gemeinsam hat. Im Lied, dessen portugiesischen Titel sie mit „Es gibt mehr als Tango in Paris“ übersetzt, hörte man das deutlich im Piano. Die schnelle Portugiesische Gitarre – übrigens ein Instrument, das den ganzen Abend dafür sorgte, dass die Songs anders, aber nicht aufdringlich anders klangen – hörte sich da fast ein bisschen trotzig an.
Cristina Branco wirkte in ihrer Körpersprache den gesamten Abend über konzentriert, manchmal fast introviertiert. Sie schloss oft die Augen, während sie sang. Vielleicht muss das sein, wenn nicht nur musikalisch, sondern auch emotional der richtige Ton getroffen werden soll. Gerade weil es keine Bühnenshow gab, konnte man wie gebannt auf die Sängerin schauen.
Dabei hielt sie oft einfach nur das Mikro oder hatte die Arme einfach neben dem Körper. Man konnte an einer Hand abzählen, wie oft sie beispielsweise die Arme hob. Aber zusehen und zuhören musste man trotzdem, denn sie hat etwas Magnetisches.
Und als sie ein Lied sang, das von einer jungen Frau handelt, die alleine in eine Kleinstadt zieht, und so zum Objekt des Spottes wird, zeigte Cristina Branco, dass sie auch frech klingen kann. Gegen Ende zeigten die vier Künstler auch noch einige Klassiker des Fado. Es wurde noch einmal etwas emotionaler. Und spätestens jetzt begriff man, warum Cristina Branco sich als Sängerin sieht, die auch Fado singt, neben anderen Musikstilen.