Mühldorf – Mächtige Akkorde, farbiges Klangkolorit, romantische Harmonik: Das ist die eine Seite in Mendelssohns „Lobgesang“. Die andere, auf Bachscher und Händelscher Tradition beruhend, besteht aus wuchtigen Chören, Rezitativen sowie bewegenden Arien. Chor und Orchester der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus sowie der Kammerchor „VoxAurea“ nebst Solisten vermochten unter der ambitionierten Leitung von Michael Bachmann beide Seiten in idealer Weise miteinander zu verbinden.
In der dreisätzigen Orchestereinleitung, mit einer erhabenen Blechbläserfanfare eröffnet, entfaltete sich in weit ausschwingenden Wogen die instrumentale Klangpracht des Orchesters. Der Wechsel zwischen den lyrischen und dramatischen Passagen wurden in den satten Tutti-Passagen ebenso hörbar, was zu einem abwechslungsreichen Klanggeflecht führte.
Schon beim schwungvollen Eingangschoral „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“ präsentierte sich der Chor nicht nur in wendiger Bestform, sondern ließ sich mit viel Liebe zum Detail auf die verschiedenen akzentuierten Momente ein. Als die Sopranistin Eva Maria Schinwald mit ihrer hellen, ausgeglichenen Stimme und der Frauenchor „Lobe den Herrn, meine Seele“ in all ihren Facetten besangen, ließen sie – getragen von der guten Akustik – die Herzen der Zuhörer aufgehen.
Mit dem Duett „Ich harrete des Herrn“, das zum schönsten Stück der Partitur zählt, verzauberten Eva Schinwald und Jutta Bazelt, Mezzosopran, erneut das Publikum – verinnerlicht gesungen und vom Horn klangvoll begleitet.
Stefan Eric Price gefiel in der anspruchsvollen Tenorarie „Saget es, die ihr erlöst seid durch den Herrn“ und füllte mit seiner tragenden Stimme das Kirchenschiff bis zum letzten Winkel aus. Auch die Arie „Stricke des Todes hatten uns gefangen“ interpretierte er mit volumenreicher, aber reiner Stimme einfühlsam und detailfreudig.
Der groß angelegte Chorsatz „Die Nacht ist vergangen“, der die zentrale Aussage des Werks widerspiegelt, erklang überzeugend in all seiner romantischen Pracht. Der anschließende A-cappella-Choral „Nun danket alle Gott“ geriet – wie ein verinnerlichtes Gebet gesungen – zu einem Höhepunkt des Abends. Ein weiterer war das Duett „Drum sing‘ ich mit meinem Liede Ewig dein Lob“ von Stefan Eric Price und Eva Maria Schinwald, die mit dem Orchester zu verschmelzen wussten.
Michael Bachmann führte mit seinem soliden und besonnenen Dirigat Chor, Orchester und Solisten durch das anspruchsvolle Werk. Das Ergebnis war eine wahrhaft detailfreudige, ausinterpretierende, spannungs- und schwungvolle Aufführung. Mit der Wiederholung des Eingangsmotivs „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“ setzte Bachmann einen wuchtigen Schlusspunkt.
Die Zuhörer dankten mit herzlichem, lang anhaltendem Applaus.