Chor und Orchester proben für das Tanzland-Projekt

Mozart winkt, Mozart staunt

von Redaktion

Die Tanzland-Proben gehen in die heiße Phase. Besonders die 35 Chorsänger des Ensembles „Vocabile Plus“ aus Kraiburg unter Leitung von Andreas Miecke beschreiten neue Wege. Sie werden – begleitet von der Orchestergemeinschaft Waldkraiburg unter Leitung von Ferenc Szelim Bene – Teil der Gesamtchoreografie: Ballettdirektor Guido Markowitz lässt die Sänger während des Requiems zusammen mit den Tänzern agieren. Ein Probenbesuch.

Waldkraiburg – 14 Uhr, Samstagnachmittag: Im Haus der Kultur herrscht aufgeregtes Treiben. Ein Posaunist bläst sich ein. Streicher stimmen eifrig ihre Instrumente. Sänger sortieren ihre Notenblätter – oder sind es „Spickzettel“ mit Instruktionen des Ballettmeisters? Nebenbei wird gelacht, geratscht, sich ausgetauscht: Die an- und zugleich aufregende Zeit kurz vor der gemeinsamen Premiere. Sterbe und werde. Wie im Theater.

Orchestergemeinschaft und Chor fiebern in der Probenendphase gemeinsam dem großen Tag entgegen, an dem sie mit dem Tanzensemble aus Pforzheim eine ganz besondere Bearbeitung des Mozart-Requiems auf die Bühne bringen werden (siehe Projektbeschreibung rechts).

Im großen Saal geht Corena Strecker-Beitzel mit den Sängern durch die einzelnen Bilder, übt Wege, die der Chor in der Vorstellung auf der Bühne zu gehen hat: „Im dritten Bild füllt der Chor die gesamte Bühne aus. Aber Vorsicht, die Tänzer brauchen Raum zwischen den einzelnen Sängern. Für das Sanctus ändert sich die Bühne. Präsenz nach vorne! Nach dem Sanctus zurück an den hinteren Bühnenrand. Blickkontakt. Bei Takt 50 Licht aus und auf die Wägen verteilen“, sagt Strecker-Beitzel.

Oder proben da doch die Tänzer? Jedenfalls gehorcht die „Horde“. Corena Strecker-Beitzel hat sie voll im Griff – bis zur Verbeuge-Ordnung wird alles akribisch durchchoreografiert. „Singen wir mal die Hostias“, meldet sich Andreas Miecke zu Wort und schon erklingen wunderschöne Stimmen und füllen den Raum mit ergreifenden Melodien. „Hallo! Bässe, bleibt ihr bitte im Tempo? Ihr rennt davon wie die Wahnsinnigen“, versucht der Chorleiter seine Herren einzufangen.

Im Kleinen Saal arbeitet Orchesterleiter Ferenc Szelim Bene mit seinen Musikern: „Denkt daran: Bei Takt drei eine kleine Handbremse. Das wird sonst den Tänzern zu schnell.“ Aus der Musik, die klangvoll den Raum ergreift, winkt Mozart selbst. Die Musiker achten hoch konzentriert auf Benes Dirigat. Sie wirken tief verwurzelt mit Mozarts Themen. Nun öffnet sich eine Seitentür und die Sänger, einer nach dem anderen, betreten den kleinen Saal. Wie selbstverständlich setzen einzelne Sänger zur Orchestermusik ein – es kommt zusammen, was zusammengehört.

Mozart lächelt, reckt den Hals und spitzt die Ohren. Klingt gut! „Hallo, Ihr Lieben“, begrüßt Bene den Chor. „Fangen wir an.“ Alles auf Null: Singend betreten die Sänger in eindrucksvollem Schreit-Gang den Raum. In ihrer Mitte tanzt Corena Strecker-Beitzel, wird in ihrer ausgreifenden Bewegung von den Händen der Sänger geleitet, sie bekommt Raum und zugleich Führung. Die angedeutete Choreografie wird in der Premiere eine Tänzerin aus Pforzheim übernehmen. Der Chor singt und tanzt, gliedert sich in anmutiger Bewegung in die Choreografie ein – Notenblätter braucht er nicht. Mozart staunt.

Staunen werden auch die Pforzheimer, wenn sie in gut einer Woche zu den gemeinsamen Endproben anreisen, denn Waldkraiburg ist infiziert von Tanzfreude und mit den ortsansässigen Vollblutmusikern bestens vorbereitet für ein fulminantes Come-Together im Haus der Kultur. Wer heult da schon noch einer verpatzten Weltmeisterschaft hinterher?

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