Halfing – Der Begriff „Kinderoper“ hat auf Gut Immling zwei Bedeutungen: Auf der einen Seite wird die Welt der Oper Kindern zugänglich gemacht, auf der anderen Seite bekommen Kinder die Chance, zusammen mit professionellen Opernsängern auf der Bühne zu stehen.
Dass dieses Konzept ankommt, hat schon die kindgerechte Fassung der Oper „Der Liebestrank“ von Gaetano Donizette im vergangenen Jahr bewiesen. Schon damals wurde die Handlung in eine Zirkusarena verlagert. Weil diese Idee gut beim Publikum ankam, geht es beim „Freischütz“ von Carl Maria von Weber in diesem Jahr erneut mitten hinein in die bunte Zirkuswelt – zumindest zu Beginn: Geplant ist eine Manegen-Show voller atemberaubender Attraktionen. Doch dann verbrennt sich Elefant Elfriede den Rüssel und Leo Löwe bekommt Zahnweh. Clown Pepina (Uschi Zobelt) hat die rettende Idee: Prompt wird als Ersatzprogramm der „Freischütz“ aufgeführt.
Pepina führt die kleinen Besucher ab diesem Zeitpunkt mit Humor und Einfühlungsvermögen durch die Handlung, in der es neben dem Kampf zwischen Gut und Böse auch um Ehrlichkeit, Freundschaft und der Möglichkeit geht, im Leben eine zweite Chance zu bekommen.
Auf den ersten Blick eignet sich die romantische Oper „Der Freischütz“ nicht unbedingt für kleine Kinder. Immerhin zieht der Jägerbursche Max in dem verzweifelten Verlangen nach Erfolg in die finsteren Abgründe des nächtlichen Waldes und der menschlichen Seele. Dementsprechend tragisch-düster fallen die meisten Inszenierungen für Erwachsenen aus. Die Szenen in der spukhaften „Wolfsschlucht“ dürfen auch in der Kinderfassung auf Gut Immling nicht fehlen. Aber sie sind so kindgerecht dargestellt, dass sich selbst die kleinsten Besucher nicht fürchten müssen.
Grundsätzlich steht für Dramaturg Florian Maier fest, dass fast jede Oper Kindern zugänglich gemacht werden kann. Statt die Vorlage nur in Zeit und Handlung deutlich zu reduzieren, schuf er zusammen mit Ludwig Baumann und Uschi Zobelt aber eine ganz neue Bühnenfassung. Die musikalische Leitung übernahm erneut Iris Schmid. Die vier professionellen Opernsänger Katja Bördner, Anastasia Churakova, Kosma Ranuer und Johan Weigel sehen in ihrem Mitwirken eine Herausforderung. „Man braucht dafür enorm viel Energie“, meint Kosma Ranuer, der sowohl in der Fassung für die Erwachsenen als auch für die der Kinder den Bösewicht Kaspar verkörpert, aber bei der Kinderoper weit weniger finster auftritt.
„Kinder sind das anspruchsvollste und ehrlichste Publikum“, lautet die Erfahrung von Katja Bördner, die in dem Stück die Agathe spielt. Während Kosma Ranuer zum ersten Mal bei einer Kinderoper mitwirkt, war sie in der Vergangenheit schon des Öfteren bei derartigen Fassungen dabei. Ihre Erfahrung: „Man muss gar nicht anders spielen wie bei den Erwachsenen. Übertriebene Mimik und Gestik kommen auch bei Kindern nicht gut an.“
Unterstützung bekommen die Profis bei ihrem Auftritt im Sternenzelt von Immling vom Kinder-Festivalchor Immling. Auch sie fanden sich bei der Premiere bestens auf der Bühne zurecht und rundeten mit ihren darstellerischen und gesanglichen Talent das Stück perfekt ab. Grundsätzlich sprechen Kinderopern nicht nur Kinder an. Auch Erwachsene, die bisher noch keine Erfahrung mit der Oper haben, ermöglichen diese Fassungen einen spielerisch, leichten Zugang zu diesem Genre der Kunst. Die Premiere auf Gut Immling begeisterte auf jeden Fall Klein und Groß gleichermaßen.
Zu sehen ist „Der Freischütz“ für Kinder noch einmal am Sonntag, 15. Juli, um 14 Uhr. Karten sind erhältlich unter Telefon 08055 / 9034-0 oder www.gut-immling.de