Handy hoch, das ist ein Festival!

von Redaktion

„Django 3000“ eröffneten mit viel Tempo am Freitagabend das 20. Mühldorfer Sommerfestival

Mühldorf – Vor dem Zeitalter der Smartphones haben Menschen zu Live-Musik einfach nur getanzt, sind mit erhobenen Armen gehüpft oder haben zumindest den Kopf oder einen Fuß rhythmisch bewegt. Das gab es am Freitagabend beim Konzert von Django 3000 im Innenhof des Haberkastens auch. Der Auftakt des 20. Mühldorfer Sommerfestivals hat Fans der Band derart mitgerissen, dass sie ihr Smartphone tatsächlich in der Tasche ließen.

Die ersten drei Nummern: gleich was mit Tempo. Die Textsicheren im Publikum sangen kräftig auf Bairisch mit. Kein Wunder, denn die Folkrocker mit Hang zum Balkan-Beat hatten sich zum Anlass passende Verstärkung mitgebracht: Korbinian Kugler am Kontrabass und Max Schuller an den Keyboards. Kamil Müller (Gesang und Gitarre), Florian R. Starflinger (Geige, Gitarre, Gesang) und Jan-Philipp Wiesmann (Schlagzeug und Gesang) klangen dadurch rockiger und lauter, als man sie von Studioversionen kennt. Aber die Mischung aus Polka, Gypsy und Folkrock bleibt. Warum sich die Band aus dem Chiemgau als Hommage nach Django Reinhardt benannt hat, kann wirklich jeder hören.

Einer der bekanntesten Songs der Band, „Heidi“, mit dem sie in kürzester Zeit einen Youtube-Hit gelandet hatten, machte Mühldorf kurzzeitig zur nördlichsten Stadt des Balkans. Auch mit „Bonaparty“ hauten die fünf Herren richtig auf den Putz. Django 3000 hatten dazu auch Songs aus ihrem neuesten Album, „Im Sturm“, im Gepäck. Da wurde es kurz etwas ruhiger im Innenhof des Haberkastens – für den modernen Konzertbesucher dann doch noch Zeit, das Handy hoch zu halten, um ein Foto der Band auf der Bühne zu schießen. Und durchzuschnaufen.

Gute Gelegenheit für ein paar Soli: Mit „Dreggade dog“ hatte Keyboarder Max Schuller einen fulminanten Auftritt – spektakulär unterstützt von Starflingers immer charakteristischer Geige. Später haute dann Keyboarder Schuller zusammen mit Schlagzeuger Wiesmann eine handgemachte Techno-Nummer raus. Einziger Wermutstropfen des Abends: der Sound. Zeitweise war der Gesang schwer zu verstehen. Allerdings dürfte das gerade diejenigen nicht gestört haben, die die bayerischen Texte ohnehin kennen.

Bevor Django 3000 noch die vehement herbeiapplaudierte Zugabe spielten, gab es mit mit „Herz wia a Messa“ noch den – subjektiv empfunden – beliebtesten Song des Sommerfestival-Publikums. Starflinger an der Geige, die der Combo ihren typischen Klang verleiht, spielte die hohe, schnelle Melodie, der Kontrabass wummerte und das Publikum hatte keine Zeit mehr für das moderne „Handy hoch“. Arme hoch und hüpfen war angesagt. Gute alte Festival-Stimmung!

Bairisch eingestimmt

„Oimara“ – hochdeutsch: der Mann von der Alm – hat am Freitagabend die ersten Takte auf der Bühne des Mühldorfer Sommerfestivals gespielt. Nur mit seiner Gitarre, Liedern in bairischer Mundart und Dialogen mit dem Publkum schaffte er es, die Zuschauer zeitweise aus ihrem Warten auf Django 3000 zu reißen. Seine Musik ist eine Mischung aus Blues und modernem Gstanzl. Er liefert beispielsweise eine völlig neue Version der drei Chinesen mit dem Kontrabass, mit der er auch viel Sprachgefühl zeigt: „Es war nur oana, weil eahm koa Kontra basst.“

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