Mühldorf – Fast genau fünf Jahre nach dem Abschluss ihrer ersten gemeinsamen „Süden-Tour“ in der Arena von Verona stehen die drei nun wieder zusammen auf der Bühne. Und die Zuschauer merken schnell: das sind wirklich drei alte Freunde, die da gemeinsam Musik machen.
Pippo Pollina erzählt zu Beginn im überdachten Haberkasten-Innenhof, wie er Werner Schmidbauer vor gut 25 Jahren kennengelernt hat. Er war ein junger Musiker, als bei einem Auftritt in Bad Aibling die Saite seiner Gitarre gerissen ist. Werner Schmidbauer, in Bad Aibling daheim, war zur Stelle und rettete den Abend. Der Grundstein der Freundschaft und der musikalischen Zusammenarbeit war gelegt.
Mit im Gepäck haben die Musiker natürlich ihre bekanntesten Songs wie „Momentensammler“, „Pfeilgrodaus“ und – passend zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela am 18. Juli – „Mandela“, das vielleicht fröhlichste Abschiedslied der Musikgeschichte. Daneben bekommt das Mühldorfer Publikum auch einige neue Lieder zu hören, darunter der „Richtung Süden“, in dem Werner Schmidbauer Silvester in Sizilien beschreibt. Es sei eine schöne Tradition geworden, Pippo Pollina zum Jahreswechsel in seiner Heimat zu besuchen.
Schmidbauer, Kälberer und Pollina präsentieren sich facettenreich und bringen den Süden zum Sommerfestival nach Mühldorf – rauchig, leidenschaftlich, tiefsinnig. Sie interpretieren die Stücke des jeweils anderen auf ihre eigene Weise. Die Songs sind ein sprachlicher Mix aus Bayerisch und Italienisch – Sprachbarrieren gibt es nicht. Und so haben manche Stücke, die schon lange zum Repertoire von Schmidbauer und Kälberer gehören, erst in diesem Trio ihre Vollendung gefunden, sagen sie.
Die Texte sind gewohnt tiefsinnig, die Melodie dazu mal melancholisch, mal energiegeladen. Die Songs erzählen von Freundschaft und Freiheit, von Liebe und dem Gefühl der Zufriedenheit. „A mani basse“ ist eine Hommage an Muhammad Ali, den Boxer mit den gesenkten Fäusten und eine Einladung an jeden Einzelnen, mit ebensolchen gesenkten Fäusten durchs Leben zu gehen.
Zwischen den Songs finden Werner Schmidbauer und Pippo Pollina immer wieder deutliche Worte für ungesunde Nationalismen, die aktuelle politische Situation und Rettungsschiffe mit Flüchtlingen an Bord, die in Italien nicht anlanden dürfen. Pippo Pollina ist in Sizilien aufgewachsen. Das Meer hat in seinem Leben immer eine wichtige Rolle gespielt. Diese Beziehung hat er in mehreren Songs verarbeitet, die an diesem Abend auch erklingen. Das Mittelmeer sei immer ein offenes Meer gewesen, sagt er. „Sambadiò“ ist ein Lied über eine „Reise der Hoffnung“, ein Schlaflied, das ein Vater seinem Kind auf der Flucht singt.
Bei allem Witz und Humor, jeder Song an diesem Abend hat eine klare Botschaft – und die kommt an. Das Publikum dankt es den drei Musikern mit langem Applaus und stehenden Ovationen. Dann heißt es „Passa il tempo“ – „die Zeit vergeht“.