Mühldorf – Seiler & Speer stehen für den neuen Austropop, für tanzbare Gassenhauer, für große Party. Dafür fuhren sie am Donnerstagabend im ausverkauften Haberkasten-Innenhof das große Besteck auf: Schlagzeug, Percussion, zwei E-Gitarren, Bass. An der Spitze: Komiker Christopher Seiler und Filmemacher Bernhard Speer, beide gesegnet mit einer großen Portion österreichischem Schmäh.
„Wir sind doch hier nicht im Kasperltheater, sondern bei einer Kulturveranstaltung“, sagen sie, um dem „TriTraTrallala“ dann doch freien Lauf zu lassen. Mit „Servas baba“ legen sie los, mit „I wü ned“ packen sie das Publikum zum ersten Mal beim Schopf. Die Party im Kasperltheater nimmt gleich mal ordentlich Fahrt auf. Doch dann gerät der Zug ins Stocken. Auffallend lange gelingt es Seiler & Speer nicht, die Distanz zum Publikum zu überwinden. Spürbar kämpfen sie gegen die Unruhe unter dem Zeltdach an, das Haberkasten-Publikum will an diesem Abend ordentlich erobert werden – ein paar T-Shirt-Geschenke für die Fans reichen nicht. Was die Sache nicht einfacher macht: Die Männer an der Technik bekommen den Sound zu keinem Zeitpunkt in den Griff. Der Gesang geht unter, bekommt keine Chance gegen die Kraft der Band. Selbst die Ansagen und der Humor zwischen den Liedern verlieren sich im allgemeinen Besucher-Gemurmel.
Ein Glück, dass viele textsichere Fans der ersten Stunde da sind und den Songs den nötigen Halt geben. 2015 landeten „Seiler & Speer“ mit „Ham kummst“ eher zufällig einen Riesenhit. Und schon bald musste sich das als Spaßprojekt gestartete Duo entscheiden, ob ihre Mischung aus Romantik und Alltagskomik auch eine ernste Zukunft hat. Mit dem Album „Und weida?“ gaben sie vor einem Jahr die Antwort – auch dahingehend, dass Christopher Seiler und Bernhard Speer viel mehr können und wollen als Kasperltheater und Party.
Wie gut zum Beispiel der zweistimmige Gesang funktioniert, beweisen sie bei „Setz di her“, neben bierseligen Botschaften („Ob und Zua“) hat auch Nachdenkliches und Sozialkritisches seinen Platz („Foin“). Schade, dass die Botschaften kaum zu verstehen sind.
So spulen „Seiler & Speer“ ein wenig routiniert ihr Programm ab – was nicht heißt, dass der Funke nach einer Stunde nicht doch noch überspringt. Es brodelt unter dem Zeltdach – aber nah am Siedepunkt ist plötzlich „Sperrstund“. Noch einmal hebt sich kurz der Vorhang: „Ham kummst“, Selbstläufer und Höhepunkt.
Nach weniger als 90 Minuten verabschieden sich „Seiler & Speer“. Zurück bleibt ein etwas ratloses Publikum, das gerne noch ein zwei Vorhänge mehr erlebt hätte, doch die Rufe nach weiteren Zugaben bleiben im Kasperltheater ungehört. Sperrstund is‘ Sperrstund.