Mühldorf – Die Musik von Dreiviertelblut ist alles andere als Mainstream. Das merkt schon, wer auf die Texte lauscht: Die beschäftigen sich gerne mal mit einem „Festl auf dem Friedhof“, bei dem viel Bloody Mary fließt; oder geben so praktische Hinweise wie „Wannst du mim Deife danzt, bauchst guade Schua“. Dazu die Ludwig-Hirsch-Grabeshymne „I Lieg am Ruckn“: Hingebungsvoll singt Bananafishbone-Frontmann Sebastian Horn mit sonorer Bassstimme über das Dahinscheiden, während er barfuß und tiefenentspannt auf einem Stuhl hockt.
Dabei versprüht die Band trotz ihrer schaurig-schwarzen Poesie pure Lebensfreude, wenn sie dem Teufel musikalisch von der Schippe springt. Viele Lieder sind tanzbar, strotzen nur so vor fetzigen Ska-Rhythmen und zogen das Publikum unter dem Zeltdach unweigerlich mit. Beste Beispiele: „Wuist du mit mir danzen“, „Hollerkiacherl“, „Deifedanz“ oder „Gemma hoam“.
Die sieben Musiker kreieren einen Sound, der zwischen Jazz, Zwiefachem Balkan-Ska-Rhythmen und 70‘s Moog Synthesizer rangiert: mal behaglich lullt die Musik die Zuhörer regelrecht ein, um sie im nächsten Moment mitzureißen. Dabei sind die Musiker von Dreiviertelblut alles andere als eine Begleitband. Dazu gehört neben Horn auch Filmmusiker Florian Riedl, der Klarinette, Bassklarinette und Moog-Synthesizer spielt. Der Amerikaner Luke Syrus Götze brilliert mit diversen E-Gitarren, Lap-Steel und Dobro ebenso wie Dominic Glöbl an der Trompete und am Flügelhorn, der zu vielen Stücken das Intro lieferte. Am Kontrabass schlägt Benjamin Schäfer passend zu den Finsterliedern die richtig tiefen Saiten an, während am Schlagzeug Neuzugang Flurin Mück sitzt. Federführend bei den Arrangements ist Filmkomponist und Mit-Bandgründer Gerd Baumann, der diverse Akustikgitarren spielt.
Gemeinsam versetzen sie die Musik von Dreiviertelblut in einen rauschartigen Zustand, der – ausgehend von einer schaurig-schönen Melancholie – nach und nach an Fahrt gewinnt. Dabei stammen die meisten Stücke aus ihrem aktuellen Album „Finsterlieder“. Darüber hinaus gab es auch einen Vorgeschmack auf das neue Album, das im Herbst im Circus Krone Bau präsentiert wird und „Diskothek Maria Elend“ heißt. Die Sommerfestival-Besucher gaben gerne das Testpublikum und probten die Mitmach-Stellen.
Viel Beifall erhielten Dreiviertelblut auch für „Mia san ned nur mia“: Ein Song für die Flüchtlingshelfer, mit dem sie am Sonntag auch auf der Abschlusskundgebung der Münchner Demonstration „#ausghetzt“ auf dem Königsplatz auftraten. Ebenso fester Bestandteil des Programms: der Filmtitel aus „Wer früher stirbt ist länger tot“ Big-a-Dog, Big-a-Bite.
Zwischendurch lebt der Abend von herrlich sinnfreien Anmoderationen. Wenn sich Sebastian Horn verspricht und statt Posaune Tuba sagt, kommentiert er das so: „Is egal. Hauptsache man kann die lange Nasn schön drin spiegeln.“ Dazu kommt die völlig abstruse Geschichte von Gerd Baumann über seine Wandlung von einer Haarsträhne aus einem Pferdeschweif zum Geigenbogen einer Prinzessin.
Nach zwei Zugaben und stehenden Ovationen verabschiedeten Dreiviertelblut das Mühldorfer Publikum im überdachten Haberkasten-Innenhof mit einem Klassiker: „A Forest“ von „The Cure“. Und weil die Fans einfach nicht genug bekommen konnten, gab es final noch ein paar Gedanken zum „Paradies“.