Liebesmelodie und Selbstironie

von Redaktion

James Blunt spielte in Tüßling unterstützt von einer klasse Band mehr als seine bekannten Balladen

Tüßling – In England gehört Humor zum guten Ton. Selbstironie ist Bedingung für Coolness. Eigentlich wäre das gar nicht der Rede wert, wenn ein englischer Singer-Songwriter wie James Blunt in Tüßling auftritt. Aber er hat eben diesen Ruf, romantische Lieder zu singen, einer zu sein, bei dem die Damen dahinschmelzen. Dem trauen das mit der Selbstironie und dem Humor viele gar nicht zu.

In erster Linie ist James Blunt aber eines, wenn man ihn beim Raiffeisen Kultursommer in Tüßling erlebt hat: Ein Songwriter, der mehr Hits hatte als nur ein paar Liebesmelodien. Er ist einer, der Songs schreibt, die man irgendwie fast alle kennt – auch die schnellen. Er ist einer, der auf der Bühne richtig ackert, der mehrere Instrumente mehr als leidlich beherrscht, und dessen Stimme in eineinhalb Stunden nicht versagt, weil die Töne einfach sitzen. James Blunt ist obendrauf einer, der bessere Witze macht als manch deutscher Komiker.

Mit „Heart to heart“ fängt er schon fast rockig an. James Blunt quert mit Gitarre die Bühne. Und man spürt: Er will etwas dafür tun, dass Tüßling einen guten Abend mit seiner Musik erlebt. Es folgt „I’ll take everything“: Blunt am Klavier, stehend, wohlgemerkt, aber auch noch singend. Und Gitarrist Ben Castle spielt ein cooles Solo. Bislang keine Liebesmelodie.

Dann erst „Time of our lives“, in dem es um den Tag seiner Hochzeit geht, wie er ankündigt. Ein melodisches Lied vom neuen Album. Vor dem nächsten Song passiert das, was zu erwarten ist, wenn ein Mann ein Konzert gibt, der mehr weibliche als männliche Fans hat: Eine Frau kreischt. Blunt fühlt sich nicht unbedingt geschmeichelt. Er fragt: „Mutti?“ Um dann fast entschuldigend zu sagen, sie folge ihm überall hin.

Dann wird er wieder ernst, sagt, auf seiner vorangegangenen Tour durch die USA habe er diesen Song nicht spielen können, da gehe es nämlich um Donald Trump, den er im Lied namentlich nicht nennt. „Someone singing along“ klingt ein bisschen funkig, dank der Band. Es geht darum, dass jemand seine Stimme erhebt, wenn erst Mauern gebaut werden, um sie dann mit Bomben wieder einzureißen. Das Lied zeigt zwei Dinge: James Blunt hat nicht nur Liebeslieder, sondern auch klare Botschaften. Und er schafft eingängige Melodien, erstklassige Pop-Musik – auch mit Tempo.

Schließlich spielt er mit „Goodbye my lover“ ganz schlicht am Klavier eine dieser Liebesmelodien, für die er so bekannt ist. Und als er sagt, er werde „You’re beautiful“ nicht spielen, klingt das im ersten Moment nicht nach einem Witz. So als hätte er die Nase ein bisschen voll von dem Song, der ihm den Durchbruch brachte.

Später wird er es aber doch singen, wieder ganz schlicht ohne Band. Dafür wird das Publikum im Schlosspark mitsingen. Zuvor wurde es mit „Lose my number“ aber noch kühl mit 80er-Jahre-Disko-Atmosphäre – Hammer-Lichtshow inklusive. Keyboarder Christopher Pemberton hatte Zeit für ein grandioses Solo – „Time to shine“ würde der Brite wohl sagen. Und mittlerweile ist an diesem Abend nicht nur James Blunt locker geworden, auch seine Mühe um die Zuhörer in Tüßling hat sich gelohnt: Die singen mit, tanzen oder halten Feuerzeuge hoch.

Zugegeben, die Witze eines Musikers sind bis zu einem gewissen Grad vorbereitet. Aber ein guter Witz bleibt ein guter Witz. Blunt spricht über das Publikum. Er habe da viele Frauen gesehen, die ihre Freunde oder Männer dabei haben. Und die Männer würden schon die ganze Zeit auf die Uhr schauen: „Wie lange dauert das denn noch?“ Blunt zieht eine Grimasse: Naja, so in etwa vier Stunden. War dann aber nicht so. Gekonnt hätte er das aber wahrscheinlich schon.

Wie war’s?

Die Bilanz des Veranstalters und Sponsors fiel gestern positiv aus. 11000 Besucher kamen zu den beiden Konzerten des achten Raiffeisen-Kultursommers am Donnerstag und Samstag auf Schloss Tüßling. Die schönsten Fotos und Momentaufnahmen von den beiden Konzerten gibt es online auf www.facebook.com/raiffeisenkultursommer.

11000 bei zwei Konzerten

Maria Adolf und Christian Hoffmann aus Ingolstadt sind große Fans von James Blunt. Sie tragen T-Shirts seiner Tour: „Es war nicht unser erstes Konzert mit James Blunt, aber unser erstes Open Air mit ihm. Das Ticket war vergleichsweise günstig, dafür hat er aber auch nicht ganz so lange gespielt. Er hat am Anfang ein bisserl gebraucht, um warm zu werden. Am Ende war es aber sehr gut.“

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