Erfrischende Mischung

von Redaktion

Poetry-Slam, Comedy, Musikkabarett: Altingers Brettlboden im Haberkasten war für jeden Geschmack etwas

Mühldorf – Ein Poetry-Slammer, ein Comedian und zwei Musikkabarettisten: Der Brettlboden von Michal Altinger bot am Dienstagabend eine erfrischende Mischung quer durch das Genre Kleinkunst.

Den Auftakt machte Volker Strübing – Poetry-Slammer, Autor und Filmemacher aus Berlin. In atemberaubendem Tempo, bei dem selbst geübte Stenografen blass werden würden, las er seine Kurzgeschichten vor. Themen, die aus dem Alltag stammen und mit banalen Konflikten spielen. So beschreibt er eine morgendliche Szene am Frühstückstisch, bei der „Er“ ihren Geburtstag vergessen hat. Wenn Strübing die Frau auf die Frage „Alles ok, mein Schatz?“ im schönen schnoddrigen Berliner Slang sagen lässt „Nüscht, alles prima!“ ist man schon mitten drin im seinem Kosmos. Die Charaktere geraten wunderbar überzogen, die Wendungen in den Geschichten sind originell, sein Lesetalent rundet das Vergnügen ab.

Den zweiten Teil bestritt der junge Comedian Simon Pearce aus München, der ein Best-of aus seinem Programm „Allein unter Schwarzen“ im Gepäck hatte. Pearce‘ Mutter ist eine Münchner Schauspielerin, sein Vater Nigerianer. Das ist insofern relevant, weil sich viele seiner Geschichten um Alltagrassismus drehen. Aufgedreht, mal albern und immer selbstironisch spricht er über „schwarzen Humor“, über das „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann-Spiel“ im Grundschulsport und über Polizeikontrollen im ICE, in denen er natürlich nur rein „zufällig“ gelandet sei, quasi stichprobenartig. Da bleibt einem schon mal das Lachen im Halse stecken. Auf der anderen Seite beschreibt Simon Pearce auch urige Szenen, etwa wie eine ältere Frau in einer Bar ungeniert in seinen Afro-Locken wühlte und sagte: „Mei, wie a Schoaf!“ Als Retourkutsche tätschelte Pearce übrigens den schlaffen Hautlappen am Hals der Dame und sagte: „Mei, wie ein Truthahn!“

Als ungebremster Spaßfaktor rundete das Musikerduo Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid mit einem Auszug aus ihrem Programm „Da Billi Jean is ned mei Bua“ den Abend ab. Die beiden pressen ihre verschrobenen Texte auf Ohrwürmer; dazu das Gewippe von Leonhardsberger, den es kaum auf dem Stuhl hält. Witzig ist die Performance über junge Männer, die in die Disco gehen sich die nötige Lockerheit mit Alkohol antrinken. Was auf der Tanzfläche dabei rauskommt, tanzt Leonhardsberger vor. Pendant Martin Schmid verzieht dazu nur sparsam das Gesicht.

Gastgeber Michael Altinger hatte vorneweg und zwischendrin das Thema Hygiene und Reinlichkeit im Visier, indem er darüber spekuliert, was wäre, wenn Putzen so beliebt wäre wie Kochen. Stars könnten Bücher rausbringen, die dann Titel hätten wie „Rauswischen mit Elmar Webber“ oder „Ich komme gut in die Ecken“ mit Veronica Ferres. Am Ende gab es viel Applaus für einen gelungenen Brettlboden.

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