Martin Frank macht sich Gedanken über sein Leben – und singt dazu
Arien fürs Rindvieh
Mühldorf – Martin Frank weiß nicht so recht, wo er gerade steht im Leben. Ohne Uni-Abschluss versucht der 26-Jährige gerade in München über die Runden zu kommen. Sein Ausweg: Rauf auf die Bühne – am Samstagabend im Mühldorfer Haberkasten.
Die Geschichten, die Martin Frank erzählt, sind herrlich normal und bodenständig. Die Themen sind authentisch: Frank wuchs auf einem Hof im niederbayerischen Hutthurm auf, machte eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, wurde Standesbeamter, bevor er an die Schauspielschule nach München ging. Das Besondere an seinem Programm: Er singt auch Opernlieder. Seit seinem 16. Lebensjahr nimmt er klassischen Gesangsunterricht.
Die „Rindviecher“, die Hühner und die ebenso brutal wie poetischen Weisheiten seiner Oma sind seine große Inspirationsquelle und erden das Programm: Da werden etwa Hühner für die Urlauber beerdigt, die ansonsten ihre letzte Ruhe auf dem Misthaufen finden würden.
Wenn man wie Frank auf einem Hof in Niederbayern groß wird, auf dem vermutlich die Hühner mehr Platz zum Wohnen haben als viele Münchner Mieter, kann die Wohnungssuche für ihn nur in einer komisch-tragischen Erzählung enden.
Eine 25 Quadratmeter große Bruchbude für 1000 Euro lehnte er freundlich ab. Der dazugehörige Garagenstellplatz war nicht beheizt und er fährt einen Fiat: „Verstehens, ein Italiener, der mag es warm.“
Er erzählt dabei nie so überzogen, dass seine Geschichten unglaubwürdig wirken. Im Gegenteil: Es beschleicht einen das Gefühl, dass ihm diese und weitere Geschichten in München tatsächlich widerfahren sind.
Im Ergebnis ist das Programm kein politisches Kabarett und auch keine Comedy. Es sind Einblicke in zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: in den niederbayerischen Bauernhof und in die Schauspielschule in München. Wie wunderbar er diese beiden Welten zusammenbringt, zeigt etwa das Thema Bachelor. Unter gebührender Dramatik gesteht er: „Ich habe keinen Bachelor. So nun ist’s raus.“ Die ständige Fragerei, was er denn studiert habe, nerve ihn: „I geh‘ ja a ned als Daune in den Hühnerstall und sage: Und, wo fliag‘ ma heut hi?“ Mit Mitte 20 steht er also bachelorlos auf der Bühne und philosophiert darüber, was er denn werden könnte. Zum Altenpfleger tauge er nicht. Schon allein der Anblick der Dritten seiner Großmutter am Waschbeckenrand mache ihn hilflos. Erst recht, wenn die Oma dann schreit, er möge ihr doch bitte die Zähne bringen. Vielleicht Bauer wie sein Vater? Der trage T-Shirts mit Sprüchen wie „Mist reden kann jeder, aber ich fahre ihn aus.“ So driftet er wieder ab und kommt in seinen Geschichten auf die gerade so angesagten Avocados: „Die haben eine Ökobilanz, da würde sogar VW staunen.“
Obwohl Martin Frank erst 26 Jahre alt ist, gelingt ihm der Schlagabtausch mit dem Publikum spielend. Wenn er kurz einwirft: „Hallo, Sie müssen schon mitmachen. Das hier ist kein Fernsehen. Ich sehe Sie auch!“ folgen prompt die gewünschten Reaktionen. Am Ende gab es – ganz ohne Animation – begeisterten Applaus im ausverkauften Haberkasten.