Die Couplet AG im Haus der Kultur: Dabei fiel das neue Programm „Wir kommen – die Rache der Chromosomen“ einer Stimmbandentzündung zum Opfer. Aus der Not machte die AG dann eine Tugend.
Für alle Lebenslagen geeignet
Waldkraiburg – Der Mann an der Quetschn sagte gar nichts. Dafür ließ Jürgen Kirner immer wieder heftige Plärrer los, die einem nicht geübten Couplet AG Besucher schon ins Mark treffen konnten. Eigentlich wollte die vierköpfige Truppe im Haus der Kultur ihr neues Programm „Wir kommen - die Rache der Chromosomen“ spielen, doch aufgrund einer Stimmbanderkrankung von Bernhard Gruber, die ihn zum Nichtreden verdammte, wurde flugs gewechselt und das Publikum durfte sich auf einen knackigen Streifzug durch 25 Jahre Couplet AG freuen.
Jürgen Kirner, Bianca Bachmann, Berni Filser und Bernhard Gruber stecken hinter der Couplet AG. In Sachen bayerisches Kabarett spielen sie in der Oberliga, das steht außer Frage. Das Musikkabarett kommt dabei so deftig daher wie ein fetter Schweinsbraten. Menschliche Schwächen werden gnadenlos an den Pranger gestellt. Und Markus Söder trifft es besonders hart. Er war zwar nicht im Saal, dafür gab es von ihm das Wunder-Zapferl „Söder rektal“ – für sämtliche Lebenslagen geeignet.
Die Couplet AG wühlte über zwei Stunden lang in ihrer musikalisch-satirischen Wundertüte und beförderte nicht nur Rentner ans Tageslicht, die ihre Rente suchen, sondern auch „blondierte Edelmütter-Kühe“, die mit ihrem Nachwuchs den Mitmenschen so richtig auf den Geist gehen. Auch die Halbgötter in Weiß kamen keineswegs ungeschoren davon. „Sie wollen operieren, und wenn die Patienten nicht parieren, verkaufen sie deren Nieren.“ Und das alles nur deshalb, weil das Ärzte-Chalet in der Schweiz noch nicht abbezahlt ist.
Eine super Figur auf der Bühne machte Bianca Bachmann bei ihrem „Heimspiel“. Egal ob sie als Olga von der Wolga Männer jagt oder eine Kupplerin für schwer vermittelbare Senioren spielt: einfach richtig Klasse. Man mag es gar nicht glauben, aber Bianca steht auf Männer mit Wampen. Jedenfalls verriet sie dieses Geheimnis den Waldkraiburgern und flötete: „Wenn ich einen Mann mit Bierbauch seh‘, vibriere ich von Kopf bis Zeh“.
Die Couplet AG, zuletzt ausgezeichnet mit dem Dialektpreis Bayern, verstand es jedenfalls prächtig, das Publikum zu unterhalten. Irgendwie präsentierte sich der gesamte Abend wie beim Metzger, wenn die Verkäuferin beim Presssack-Auswiegen fragt: „Darfs ein bisserl mehr sein?“ Die Fans der Couplet AG lieben halt das „bisserl mehr“ an derbem Humor, der mit Musik und gesalzenen Gesangseinlagen daherkommt. Die Mischung darf als „sauguad“ beschrieben werden.