Mühldorf – Ein bisschen Jazz, ein bisschen Swing, ein bisschen Gypsy und ab und zu ein Schuss Blues: Das alles stand am Samstagabend auf dem Programm. Dazu gehörten natürlich Stücke des Gitarristen und Komponisten Django Reinhardt, der als Vorreiter des europäischen Jazz gilt. Dazu gehörten aber auch eigene Kompositionen des 39-jährigen Joscho Stephan, die er mit Kontrabassist Volker Kamp und Rhythmusgitarrist Sven Jungbeck spielte. Etwa die Einstiegsnummer „Créateur immobilier“, die Stephan einst für eine Wohnungsgenossenschaft geschrieben hat. Bei all dem Tempo, das das Stück ausmacht, spielten die drei es aber so, dass es entspannt klang. So, als sei man zwar etwas in Eile, aber auch auf dem Weg zu etwas Schönem. Joscho Stephan ließ das Mühldorfer Publikum noch wissen, wo sie das Stück wieder hören können: am Telefon, in der Warteschleife der Wohnungsgenossenschaft.
Es folgte ein bekanntes Stück von Django Reinhardt: „Are you in the mood“. Die Wechsel zwischen gemütlicher Stimmung, der schnellen Leichtigkeit von Joscho Stephans Gitarre sowie den Passagen, in denen der Bass im Vordergrund stand, zeigten auch, dass die drei nicht nur durch Tempo beeindrucken. Innerhalb eines Stückes die Geschwindigkeit so stark variieren zu können, macht Musik dynamisch. Dazu klang Joscho Stephans Gitarre bei diesem Stück – und es blieb nicht bei diesem einen Mal – auch sehr unterschiedlich: von blechern bis pointiert, manchmal fast wie eine Zither.
Lustig wurde es bei „Kein Schwein ruft mich an“. Die Django Reinhardt gewidmete Eigenkomposition „Ballade pour Django“ klang streckenweise leicht melancholisch, dabei aber auch verträumt und ein bisschen ironisch – so als würde irgendwann sowieso alles wieder gut werden. Eine ähnliche Stimmung verbreitete auch „Papillon“ – eine Jimi Hendrix-Nummer von einem Trio, unplugged, das hört man nicht oft. Der Ausnahme-Gitarrist zelebriert den Song mit hohen, präzisen Einzeltönen in schneller Folge: Musik ohne Tempolimit. Sven Jungbeck und Volker Kamp sorgten im Hintergrund dafür, dass die Version auch Rhythmus hatte.
Zwischendrin regiert der Humor. Joscho Stephan erzählt beispielsweise davon, wie „Valse de la mer“ entstanden ist. Nämlich aus Zeitdruck während einer Kreuzfahrt mit seiner Frau. Ihr hatte er die Tatsache, dass er im Urlaub arbeiten musste, diplomatisch beigebracht: „Schatz, du liest ja auch gerne.“ Das bedauernde Seufzen des Publikums auf die Ankündigung des letzten Stücks quittierte Stephan mit: „Ein Qualitätspublikum weiß sich zu wehren!“ Und dann erzählt der Gitarrist noch, wie er und Bassist Volker Kamp vor der Aufnahme ihrer jüngsten Platte im Berliner Studio Rocker Alice Cooper und Schauspieler Johnny Depp begegnet sind. Naja, begegnet trifft es nicht so ganz. Eigentlich habe Johnny Depp nämlich nur „Hi guys“ gesagt und sei dann weitergeschwebt. Dabei wollte Joscho Stephan ihm doch eine Geschichte erzählen: über einen Song aus Depps Film „Chocolat“. Oft sei er nämlich gefragt worden, ob er diesen Klassiker von Django Reinhardt spielen könne: „Minor swing“. Das konnte das Trio natürlich auch im Haberkasten. Zur Freude des Publikums.