Mühldorf – Vier Männer und ein Arsenal an Flaschen: Dass diese Kombination nicht zwangsläufig in einem durchzechten Herrenabend enden muss, belegte das Quartett „Glas Blas Sing“, das zum ersten Mal im Haberkasten zu Gast war.
Wohl kaum eine Band hat so viele Alleinstellungsmerkmale wie das Quartett „Glas Blas Sing“: Die Bühne im Haberkasten sah aus wie die Leergutannahmestelle in einem gut sortierten Getränkemarkt. Wer spielt auch schon auf einem Jägermeisterxylofon, einer Flaschenhalsgitarre oder einer „Wasserspender-Djembe to go“?
Nicht umsonst wurde Bandmitglied David Möhring augenzwinkernd als einer der wenigen hauptberuflichen „Steh- und Gehschlagzeuger“ weltweit angekündigt, Andreas „Endie“ und Jan „Fritze“ Lubert haben zudem mit ihrer ausgefeilten Daumentechnik das Ploppen auf diversen Flaschenhälsen perfektioniert und Frank Wegner beherrscht unter anderem das Zupfen auf einem selbst gebastelten WasserspenderBasedrum.
Schaffen es leere Flaschen, ob aus Plastik, Glas, Blech oder auch Getränkekisten, zu „Glas Blas Sing“ auf die Bühne, beginnen sie eine zweite Karriere. „Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben“ bekommt bei den Musikern eine ganz neue Bedeutung. Mit diesem Programm sprachen die Berliner ein bunt gemischtes Publikum an – im Haberkasten waren Jung und Alt zu Besuch und die wurden nicht enttäuscht.
Mit ihrem Equipment aus Leergut spielten sich die vier Männer quer durch die Musikgenres: Rock, Pop, Klassik, Kinderlieder, Deutsche Welle und eigene Stücke. Da wurde mit PET-Falschen getrommelt, auf Miniflaschenhälsen mit Daumen geploppt, eine Choreografie mit Getränkekisten geratscht und mit Reis gefüllten Plastikflaschen geraschelt. Damit nicht genug: Für eine Luftnummer zeigten sie, was man alles für Zischgeräusche aus einer Sprühflasche rausholen kann.
Klassik aus Leergut kann zwar einem Symphonieorchester nicht wirklich Konkurrenz machen, aber es geht auch vielmehr um das Erstaunen, was die vier klanglich aus Flaschen alles rausholen können. Die abstrusen Instrumente und das handwerkliche Können der vier sind aber nur die eine Seite. Der Spaß am Spielen und der schön alberne Humor machen den Auftritt erst zu einem runden Gesamtvergnügen. Vor allem in ihren eigenen Stücken wie etwa „Sven Hanna Wald“, dem Lied über unmögliche Kosenamen oder über die liebe Frau Nachbarin strotzten vor entzückendem Wortwitz.
Abgerundet wurde das Ganze durch eine insgesamt gelungene, komödiantische Performance. Das sprach auch das Publikum an, das sich bei den Mitmachnummern wie dem Flaschenmusikmemory nicht lange bitten ließ. Am Ende gab es viel Applaus und eine Zugabe, die nicht treffender hätte sein können: „Don’t worry, be happy.“