Ramsau – Stillhalten soll hier keiner an diesem Abend, „Pam Pam Ida“ fordern ihre Zuhörer – vom ersten Ton weg. Mit jedem Klang wippt das Publikum zwar ohnehin mit, aber das ist längst nicht genug. Tibetische Entspannungsübungen, den Hosentürlwetzer tanzen, klatschen oder pfeifen – „Pam Pam Ida“ verlangen Einsatz. Und jeder macht mit. Egal, ob vorne an der Bühne oder an der Seite, wo die Zuhörer an ihren Tischen die intime Atmosphäre des ehemaligen Tante-Emma-Ladens genießen. Hier in Ramsau kommen die Zuhörer der Band zum Greifen nah, zumal Sänger Andreas Eckert die Besucher auffordert, noch näher zu kommen. „Nimm jetzt bitte ned mei Hand“ singt Eckert dann. Genau das fällt aber so manchem Gast im Kulturladen schwer. Wo hat man schon einen Sänger zum Anfassen?
Im Gepäck hatte die junge Band ihr Debütalbum „Optimist“. Vom ersten Ton an herrscht Stimmung im Publikum – und bei den Musikern. Das Grinsen bei Sänger Andreas Eckert verschwindet den ganzen Abend nicht mehr aus seinem Gesicht. Am Ende ist nur schwer zu sagen, wer von dem Abend mehr begeistert war: das Publikum oder die Band.
Fliege, Weste und Anzug aus den 1970er-Jahren: Altmodisch wirken „Pam Pam Ida“ nur der Optik wegen. Musikalisch aber bringen sie einen neuen Sound auf die Bühne. Bayerisch ist ihr Dialekt – und so singen sie. Für ihre Musik bedienen sie sich der Klänge von Akkordeon, Tenorhorn und Blockflöte. Doch mit Sambatrommel, E-Piano, Gitarren und Schlagzeug wird die Musik zu etwas ganz Eigenem, Unverwechselbarem.
Mit flapsigen und lustigen Geschichten zwischendurch sorgt Sänger Eckert für Lacher, erinnert mit seinen hohen Gesangseinlagen und tänzerischen Verrenkungen auch schon mal an Liedermacher Georg Ringsgwandl. Vieles dreht sich an diesem Abend um Liebe, die Texte sind humorvoll und ironisch, aber auch mal traurig. „So muaß sei, so nimmt alles seinen Lauf. So is as Lem, wiaft oan scho moi aus da Bahn“.
Taschentücher braucht trotzdem niemand, denn viel zu amüsant geht es gleich weiter. Doch Andreas Eckert kann auch ernst, wird wie in seinen Liedern politisch. Am Abend vor der Landtagswahl darf dann natürlich nicht der Hinweis fehlen, wie wichtig das Kreuzchen an der richtigen Stelle ist.
Die sechs Musiker von „Pam Pam Ida“ aus dem 600-Seelen-Dorf Sandersdorf im Naturpark Altmühldorf haben zwar erst vor knapp drei Jahren die musikalische Bühne betreten, sind aber längst kein Geheimtipp mehr. Beim individuellen Sound der selbst ernannten „Multiinstrumentalisten“ kann einfach keiner stillhalten. Und so lassen am Ende alle ihre Schultern tanzen.