Schon am Titel „Energiebedarf decken und Umwelt schonen – ein Balanceakt“ war zu erahnen, dass Umweltminister Dr. Marcel Huber im Haus der Kultur keine einfachen Antworten auf eine der wichtigsten Fragen unserer Gesellschaft geben würde: den Klimawandel und den stetigen Bedarf an Energie.
Perfekte Energieformen gibt es nicht
Waldkraiburg – So lauteten zwei unbequeme Thesen seines Vortrags im Rahmen der Geschichtstage: Jeder sollte so wenig Energie wie möglich verbrauchen. Und: Auch unter regenerative Energien gibt es nicht die eine, absolut perfekte Lösung. „Versuchen Sie mal, einem sechsjährigen Kind zu erklären, was eine Fensterkurbel ist“, wählte der Minister als Beispiel für Dinge, die früher per Muskelkraft bedient wurden, heute aber Energie benötigen. Was im Einzelfall nach Nostalgie und Humor klingt, steigert unseren Energieverbrauch, auch wenn einzelne Geräte zuletzt immer weniger Energiebedarf hätten. Huber sagte: „Jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, ist gut.“ Ein großer Teil seines Vortrages widmete sich daher der Frage: Welche Energie ist denn sauber, sozusagen unbedenklich?
Dr. Marcel Huber ging sie alle durch: Atomenergie beispielsweise. Da habe man ja lange Zeit gehört, sie erzeuge kein klimaschädliches Kohlendioxid, sei quasi unbegrenzt vorhanden. Der Haken: „Die Abfälle werden uns zwei Millionen Jahre Schwierigkeiten machen.“ Fossile Energieträger? Grundsätzlich „schon sehr praktisch“, wären da nicht das Kohlendioxid als Folge der Verbrennung und Begleiterscheinungen wie Feinstaub.
Aber auch regenerative Energieformen sah Huber nicht durch die rosarote Brille: „Alles hat großen Nutzen, aber auch Auswirkungen auf Gesundheit, Menschen und Natur.“ Biogas ziehe Vermaisung der Landschaft nach sich, habe Folgen für die Biodiversität. Wasserkraft sei immer verfügbar, erzeuge kein Kohlendioxid. Kritisiert werde sie dennoch: weil sie Folgen für die Fische habe, die durch Wehre nicht mehr zwischen Gewässerabschnitten wandern könnten, der Uferbewuchs werde beeinflusst, gerade in Gebirgsflüssen könnte das mitgeführte Geröll, das Geschiebe, zu Problemen führen.
Noch eine Energieform, die bei einer genaueren Betrachtung nicht ganz perfekt ist: Fotovoltaik. Für die Herstellung entsprechender Zellen kämen etwa seltene Erden zum Einsatz, die wiederum von Menschen unter unwürdigen Bedingungen gefördert würden. Außerdem kämen dabei Mittel zum Einsatz, die die Umwelt schädigten. Auch gegen Windräder gebe es teilweise Bedenken – weil sie beispielsweise in den Lebensraum bestimmter Tiere fallen.
Selbst Geothermie sei nicht die Ideallösung. Huber sagte, dass sie eben nicht überall zur Verfügung stehe. Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch hatte im Rahmen der Vernissage zu der Themenausstellung Geothermie im Haus der Kultur (siehe dazu Interview mit Elke Keiper) erklärt, dass die Stadt auch nur unter bestimmten Voraussetzungen auf Geothermie setzen konnte und die Investitionen zunächst gewesen hoch seien. Ein Punkt, den auch Huber anmerkte. Er sah die Geothermie in Waldkraiburg als positives Pilotprojekt, für das er sehr dankbar sei.
Der Minister fand, es sei bei allen Energieträgern nötig, ständig nachzubessern, zu hinterfragen. Am Ende sei ein Mix verschiedener Formen sinnvoll. Gerade Energie aus Sonne und Wind, die ja nicht immer dann vorhanden sei, wenn sie gebraucht werde – und umgekehrt – müsse besser gespeichert werden. Dr. Marcel Huber sagte, eine vielversprechende Möglichkeit dazu, die dabei eben kein klimaschädliches Kohlendioxid verursache, sei Wasserstoff.