Die Ausstellung ist Dienstag bis Freitag von 12 bis 17 Uhr und Samstag/Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen für Schulklassen und Gruppen nach Absprache. Weitere Infos online unter www.galerie-waldkraiburg.de
Öffnungszeiten
Die Städtische Galerie Waldkraiburg zeigt bis 5. Januar Werke von Marcus Weber aus Berlin. Seine Bilder beobachten haarscharf, spiegeln in bunten Farben die Menschen und Tiere unserer Zeit an unterschiedlichen Orten bildhaft wider.
Wo der Gehsteig zum Laufsteg wird
Waldkraiburg – Marcus Weber holt sich die Inspirationen für seine Werke genau dort, wo sich das pralle Leben mit all seinen Sinnesreizen abspielt: Im profanen Alltag, auf der Bühne des Lebens. In den Straßen, Parks und Plätzen Berlins, wo dem wachen Betrachter Tag für Tag immer neue Ausblicke, Eindrücke und Gefühlsstimmungen serviert werden.
Die Ausstellung unter dem Titel „Jacques“ lässt sich in drei Teile gliedern, in denen der 53-Jährige unterschiedliche Werke um ein Thema verarbeitet und die in unterschiedlichen Schaffensphasen entstanden sind.
Öl auf Nessel oder Leinwand im Großformat zeigen im ersten Teil Szenen von Menschen und Tieren, die – in phantasievoll-grotesker Überzeichnung – städtische Parklandschaften bevölkern. Das sind Einblicke in eine Welt aus einem anderem Blickwinkel, in schreienden Farben anders gemalt. Ein Trip durch eine Anderswelt, in der ein Obdachloser auf einer schwebenden Parkbank schläft („Le Rêve“), die umgeben von zauberhaftem Blütenmeer einen Traum vom Paradies nachempfinden lässt. Selbst der Mülleimer samt Inhalt, der neben der Parkbank steht, hat nichts Abstoßendes, sondern erscheint eher kunstvoll arrangiert. Auf einem anderen Werk, „Gelber Hund“, ist ein Mülleimer gar Mittelpunkt des Bildes: Um ihn herum flanieren Menschen, ein gelber Hund, Kinderwägen – und besonders eindrucksvoll stechen riesige Schmetterlinge aus dem Bild ins Auge, die wie in einem Line-up durchs Bild zu flattern scheinen. Die liebevoll gestaltete Detailarbeit in Webers Werken erinnert an ein Comicheft oder Bilderbuch, das nicht nur Kinderaugen, sondern auch den Blick von Kind gebliebenen Erwachsenen fesselt und belustigt.
Auf dem Weg zu seinem Atelier durchschreitet Weber die Kreuzberger Adalbertstraße, die ihn zu weiteren Werken inspirierte. Zehn dieser sehr lebensnahen Werke sind im zweiten Teil ausgestellt: Hier ist die Bühne des Alltagsspektakels das Trottoir, auf dem sich Menschen, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten, wie im Fluss des Lebens fortbewegen. Wohin? Woher? Warum? Mit wem? Und schließlich: Wie? Antworten findet man mühelos: Mutter mit Kind im Buggy, an dem ein Brotzeitrucksack baumelt. Punk mit verdächtig roter Gesichtsfarbe in Begleitung freilaufender Hunde. Ein Mann fotografiert, eine Frau liest an eine Hauswand gelehnt die Tageszeitung. Viele Passanten halten sich auf ihrem Weg nach Irgendwo ein Smartphone ans Ohr. Während das Trottoir als Laufsteg zu fungieren scheint, bilden die Hausfassaden und Schaufenster die Kulissen für das rege Treiben.
Aus Marcus Webers Bild gewordenen Betrachtungen spricht die Liebe zum Leben, er scheint die Menschen und Tiere, die ihm Inspiration waren, mit gütigem und positivem Gefühl zu garnieren, scheint sie „schön“ zu malen. Selbst dann, wenn aus dem zu vermutenden Umfeld, wie Obdachlosigkeit, Armut oder Alkoholismus auch Kummer und Leid sprechen könnte.
Im dritten und letzten Teil „liegt“ die Betrachtung auf dem erholsamen Schlaf: In bunten Schlafsäcken „schlafen“ Jugendliche auf dem Boden der Galerie – keine Gemälde, sondern Köpfe aus Gips. Ob sie von Webers Gemälden träumen?