Sehr lustig: Zinner…
und Kaufman.Fotos hon
In dem Moment, in dem Stephan Zinner die Bühne betritt, gehört der Haberkasten ihm. Das liegt nicht nur am amüsierwilligen Publikum. Zinner besitzt eine unglaubliche Präsenz, ist sympathisch, unterhaltsam, ein Kerl, den man sich gut daheim im Wohnzimmer vorstellen kann, wo er beim Bier plaudert und Lieder singt.
Im Haberkasten bleibt er – zumindest auf der Bühne – beim Wasser, das er auch braucht, weil Teile des Abends kraftraubend sind. Zinner tanzt, parodiert, rennt die Bühne auf und ab, ist fast ständig in Bewegung. Er ist Schauspieler und das merkt man in jeder Szene. Er hat seinen Körper, Mimik und Gestik im Griff und liefert richtiges Schauspiel.
Dazu erzählt er über das Leben, viele Geschichten, vielleicht echte, vielleicht auch nur vermeintlich wahre Begebenheiten, das geht ganz schön durcheinander. Wenn er gut ist, sind es Stereotypen oder Erlebnisse, in denen man sich wiedererkennt, nach denen man sagen will: Genau so ist es. Die alles beobachtende Nachbarin gehört genauso dazu wie die Schilderungen des häuslichen Zusammenlebens und die Scham der Kinder über ihre Eltern. Trefflich beschrieben und sehr gut auf die Bühne gebracht.
Wenn er nicht so gut ist, werden die Geschichten flacher, ausgedachter, dann überspielt er Textschwächen mit Slapstick und Kalauern. Deshalb hat der Abend ein paar Längen, wenn er von Impferlebnissen beim Arzt samt anschließendem Vollrausch berichtet oder der Tätowierung der Nachbarin. Längen, die Zinner aber binnen kurzer Zeit überwinden kann, dank seiner freundlichen und mitreißenden Art.
Der Rahmen des Auftritts ist Musik, Zinner spielt mit großer Könnerschaft auf der Gitarre Blues, Jazz und Rock ‘n’ Roll – nur bitte keinen Schlager. Assistiert vom Schweizer Andy Kaufman, einem hervorragenden Schlagzeuger, der in seiner Rolle als Sidekick Zinners aber ein bisschen zu kurz kommt.
Dafür bekommt er von Zinner nicht wirklich viel ab wie manche seiner Nebenrollenkollegen in anderen Programmen. Zinner bleibt freundlich, sogar die Opfer seiner Texte dürfen sich über gewisse Zuneigungen freuen. Selbst für muskelbepackte Kraftathleten, die ihn in der Trambahn verfolgen hat, er ein paar warme Worte übrig. Zinner ist und bleibt eben ein sympatischer Kerl. Bis zum Schluss.