„Als ob es regnen würde“: Das Schauspiel mit Herbert Herrmann und Nora von Collande im Haus der Kultur in Waldkraiburg geriet zu einer teils amüsanten, teils absurden Komödie über Geld und Gier.
Geld und Gier
Waldkraiburg – Mit einem 100 Euro Schein, der plötzlich auf dem Tisch vor dem Bücherregal liegt, nimmt alles seinen Anfang. Mehr und mehr gerät in der folgenden Debatte über die Herkunft und mögliche Verwendung des Geldes das eigentlich normale Leben des eigentlich normalen Ehepaares Bruno (Herbert Herrmann) und Laurence (Nora von Collande) aus den Fugen. Schließlich beschließen der Anästhesist und seine Gattin, die Schuldirektorin, ganz pragmatisch, sich ein schönes Abendessen zu gönnen.
Doch die rätselhaften Zuwendungen hören nicht auf, am nächsten Tag liegen auf demselben Tisch 1420 Euro. Woher kommt das Geld? Und wer könnte es hier deponiert haben? Bruno und Laurence ergehen sich in immer abstruser werdenden Erklärungsversuchen: Vielleicht ein Patient von Bruno aus Dankbarkeit dafür, dass er wieder aus der Narkose erwacht ist? Vielleicht ein Anfänger-Einbrecher, ein Azubi sozusagen, der, anstatt etwas zu stehlen, etwas hinterlässt? Oder vielleicht Teresa, das iberische Hausmädchen, das ihre Arbeitgeber aus unerfindlichen Gründen verrückt machen will und als einzige außer ihnen einen Schlüssel zur Wohnung hat? Laurence stellt schließlich die entscheidende Frage: „Wichtig ist nicht wer, sondern warum das Geld bei uns deponiert wurde!“
Sie möchte die vielen Scheine, die sich schließlich auf über 30000 Euro summieren und von Bruno in große schwarze Müllsäcke geschaufelt werden, am liebsten los werden: „Weil sie uns nicht gehören“. Dagegen kommt Bruno zusehends zu der Überzeugung, dass man Geld nicht unbedingt verdient haben muss, um es zu besitzen, und es ihm durchaus zustehe. Kurzerhand geht er los und haut im Rahmen einer gigantischen Shopping-Tour die Moneten auf den Kopf. Und beim Anblick der teuren Designerstücke geraten auch Laurences moralische Überzeugungen zunehmend ins Wanken, Eitelkeiten scheinen die Oberhand zu gewinnen. Doch noch während sie sich über Champagner, Kaviar und Haute Couture freuen, taucht ein ominöser Nachbar (Uwe Neumann) auf: Mal mit Pistole, mal mit einer Axt bewaffnet ist er auf der Suche nach Wertsachen, die ihm gestohlen wurden, und stellt Fragen über Fragen. Bei dem Versuch, ihren plötzlichen Reichtum zu erklären, verstrickt sich das Ehepaar in immer abenteuerlichere Lügen und Erklärungen.
Herbert Herrmann, nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Regisseur, inszeniert das französische Boulevardstück von Sébastien Thiéry als rasante und amüsante Komödie. Während das Stück im ersten Teil noch stellenweise in den Klamauk abzudriften droht, mündet es nach der Pause mehr und mehr ins Chaos. Logische Erklärungen für den Geldsegen oder eine Auflösung des moralischen Dilemmas, in das der unerwartete Reichtum das Ehepaar gebracht hat, bleiben aus. Stattdessen fliegt ein Rabe durch das Bühnenbild, quillt Geld unkontrolliert aus Schränken und regnet von der Decke herab, unterstreichen eigenwillige Dialoge sowie effektvolle Licht- und Toneffekte den Eindruck des Absurden.
Der Bühnenpräsenz der beiden Hauptdarsteller, die auch im reellen Leben ein Paar sind, mit ihren schnellen, spritzigen teils schlüpfrigen Dialogen tut das aber keinen Abbruch. Zur gelungenen Abwechslung geraten die beiden Kurzauftritte der Haushaltshilfe Teresa. Ihre ausschließlich auf Spanisch und in einem irrwitzigen Sprechtempo vorgetragenen Tiraden sorgen für viele Lacher im Publikum.
Auch wenn mancher Zuschauer ob des offenen Endes etwas ratlos zurückblieb, regte der amüsante Abend im gut besuchten großen Saal im Haus der Kultur zum Nachdenken an – und sorgte für jede Menge Gesprächsstoff. Allem voran stand die Frage: „Wie würde man selbst auf einen überraschenden Geldsegen reagieren?“