„Der Bohrplatz war für uns Kinder wie ein Spielplatz“

von Redaktion

Im Zeitzeugencafé erzählten ehemalige Bohrmänner ihre Geschichten rund um das Ampfinger Erdöl

Ampfing – Geschichte besteht auch aus vielen Geschichten. Am Dienstagnachmittag erzählten Zeitzeugen die Geschichte des Erdöls aus ihrem Blickwinkel. Das Energie-Unternehmen RDG und die Gemeinde Ampfing hatten im Rahmen der Geschichtstage ins Industriedenkmal am Bahnhof geladen. Kindheitserinnerungen, ein beschädigter Schutzhelm und das Zusammentreffen von Bayern und „Preißn“ machten die Geschichte des Erdöls charmant, interessant und amüsant.

Ferdinand Prex war seinerzeit dabei, als in den 1950er- Jahren in Ampfing das erste Erdöl aus der Erde kam. Viele Schaulustige seien gekommen und hätten sich das Öl für ein kleines Trinkgeld in Flaschen abfüllen lassen, erklärte Moderator Wolfgang Haserer. „Keiner hat ja gewusst, wie das aussieht“, ergänzte Prex. Und die Kollegen aus Norddeutschland, wie sei er mit denen ausgekommen? „Guad. Warn halt Preißn.“

Zwei der damaligen „Neuankömmlinge“ waren ebenfalls Gäste im Zeitzeugencafé: Erich Pusch hat in knapp 30 Jahren an insgesamt 289 Bohrstellen als Motorenwärter gearbeitet. Und Gerhard „Bobby“ Krone war damals einer der ersten Tiefbohrlehrlinge überhaupt. Beide machten deutlich, wie gefährlich die Arbeit am Bohrturm war. Und beiden rettete damals der Helm das Leben: Pusch wurde von einer herabfallenden Schraube am Kopf getroffen, Krone erwischte ein Bremshebel mit voller Wucht am Hinterkopf. Ebenfalls Gast im Zeitzeugencafé: Ampfings ehemaliger Bürgermeister Ottmar Wimmer, der ein Kind war, als das erste Erdöl floss. Für die Gemeinde sei es damals von entscheidender Bedeutung gewesen, dass sich die „Deutsche Vacuum Oel“ im Ort niedergelassen habe. „Wasserleitungen, Schulhaus, ja sogar der erste Tennisplatz konnten dadurch finanziert werden“, sagte Wimmer. Wie sich das Thema Erdöl im Alltag bis hinein in die Familien niederschlug, davon erzählte Werner Herian, der im Ampfinger Ortsteil Reit aufwuchs – nur einen Katzensprung von den ersten Bohrtürmen entfernt. „Der Bohrplatz war für uns Kinder wie ein Spielplatz.“

Ende der 1990er Jahre war vorerst Schluss mit den Bohrungen auf Gemeindegebiet. August Augenstein war damals als Bohrleiter daran beteiligt, die letzten Bohrlöcher zu verfüllen: „Deckel drauf und gut war‘s.“

Dass die Ampfinger Erdölgeschichte die Menschen bis heute ein bisschen stolz macht, zeigte sich unter anderem am Ende der Führung durch die Ausstellung im Industriedenkmal mit Dr. Yasmin Dorostan. Ein Zuhörer meldete sich mit der Ergänzung, die Flamme der olympischen Spiele in München habe 1972 mit Gas aus Ampfing gebrannt.

Den Blick in die Zukunft richtete RDG-Geschäftsführer Ernst Burgschwaiger, der anschließend über die Erkenntnisse und weiteren Möglichkeiten der seismischen Untersuchungen referierte. kob

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