HIntergrund

von Redaktion

Geschichtstage Großspeicher Bierwang öffnete die Tore für Besucher

Bierwang war aber nicht immer Standort des Erdgasspeichers. Mit Fotos aus der Zeit seit den 1960er-Jahren wurde deutlich, wie alles begann. 1964 wurde Erdgas im Untergrund entdeckt. Von 1966 bis 1974 förderte das Unternehmen Mobil Oil in Bierwang Erdgas. Die Firma hatte in Ampfing jahrelang Erdöl gefördert. Später baute Ruhrgas die ehemalige Förderstätte in einen Untergrundspeicher um, also ein Speicher in diesem Fall für Erdgas im Untergrund. Im Gestein, das vor Jahrzehnten noch Erdgas freigab, das gefördert wurde, wird heute wieder Erdgas eingespeichert.

Bierwangs Zukunft ist grünes Gas

Unterreit – Früher Förderstätte, heute Großspeicher – und letzteres wird Bierwang in der Gemeinde Unterreit auch bleiben. Allerdings wird in Zukunft wohl nicht mehr fossiles Erdgas die Hauptrolle spielen, sondern sogenanntes grünes Gas, wie beispielsweise Biogas. Frank Holschumacher, stellvertretender Chef der uniper-Speichersparte, sagte in seinem Vortrag auch: „Die Infrastruktur von Erdgas wird weiterverwendet.“

Neben diesem Blick in die Zukunft der Energie, bot sich im Rahmen der Geschichtstage auch einer in die Gegenwart. Das Unternehmen, das den Großspeicher betreibt, die uniper, bot Führungen über das Gelände an. Neben riesigen Anlagen wie Blockheizkraftwerk und Turbinen ging es zum Leitstand – sozusagen die Zentrale, von der aus jede einzelne Maschine überwacht und gesteuert werden kann. Sie ist 24 Stunden am Tag besetzt. Es war nicht die einzige Information, die den Besuchern der Geschichtstage vor Augen führten, dass die Arbeit mit Erdgas mit besonderer Vorsicht erfolgt. Feuerzeuge, Rauchen und sogar fotografieren sind grundsätzlich verboten. Sollte Gas ausgetreten sein, könnte all das eine Explosion auslösen. Die uniper-Mitarbeiter hatten spezielle Geräte dabei, die messen, ob die Luft quasi rein ist.

Als Anschauungsmaterial, wie man sich den Untergrund vorstellen kann, gab es alte Bohrkerne aus Bierwang zu sehen. Die zylinderförmigen Gesteinsblöcke sind absolut geruchslos – wie Erdgas eben auch. Ein interessanter Unterschied zu den Bohrkernen aus Bohrungen um Ampfing, durch die Erdöl gefördert wurde. Die riechen nämlich ein wenig wie Benzin. Auch in der Ausstellung zu sehen: Fotos von Manfred Fischer vom Fotoclub Kraiburg über Pipelines im Landkreis Mühldorf – etwa den Bau der Monaco-Pipeline in jüngster Zeit.

Frank Holschumacher von Uniper gab in einem Vortrag einen Ausblick darauf, wie die Energiewelt sich voraussichtlich verändern wird. Er sah das fossile Gas für die Zukunft nicht mehr als die Hauptsache: „Das Gas wird grün.“ Sogenanntes regeneratives oder grünes Gas werde wichtig. Das könne Biogas sein, aber er sprach auch über Wasserstoff. Dieser kann durch Strom mit dem Verfahren der Elektrolyse gewonnen werden. Wasserstoff kann so Strom speichern, der gerade nicht benötigt wird, etwa wenn viel Wind geht. Aus Wasserstoff und Kohlendioxid lässt sich aber auch synthetisches Erdgas herstellen. Die bestehende Infrastruktur für Erdgas lasse sich weiterverwenden, so Holschumacher. Damit könnten auch andere Gase transportiert werden.

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