Steve Bailey
Francois Rabbath
Steve Bailey
Francois Rabbath
Mühldorf – Das Konzert „Masters of Bass“ im Haberkasten krönte mit spektakulären Auftritten die fünfte Auflage der Bayerischen Basstage. Zuvor bot die Musikschule Mühldorf wieder einen passenden Rahmen für große und kleine Bass-Freunde, die ihr Können am Instrument in Workshops von international angesehenen Dozenten um unzählige Kniffe und Griffe erweiterten.
Mühldorf vibrierte unter den Bayerischen Basstagen. Ein bundesweit einzigartiges Event mit interkulturellem, musikalischem Gesamtkonzept, in dem sich alles um den in allen Kulturen und Stilen verwurzelten Kontrabass und E-Bass dreht. Zur interkulturellen Verständigung schlägt man Saiten an, lässt Bögen sprechen, spürt des Anderen Rhythmus und steuert zum Austausch eigene Bass-Akkorde bei. Alles unmissverständlich und klar, keine Kommunikationshindernisse oder Sprachbarrieren, sodass auch die Krönung des musikalischen Ereignisses einen zielgenauen Treffer landete: Ein fulminantes Basskonzert im Haberkasten, „The Masters of Bass“.
Es erfüllte nicht nur die kühnsten Wünsche der Konzertbesucher, sondern adelte auch alle auftretenden Bass-Größen als Meister der tiefen Töne. Nach kurzen Begrüßungs- und Dankesreden von Claus Freudenstein, der vor fünf Jahren die Bass-Tage in Mühldorf ins Leben rief und Minister Dr. Marcel Huber, der die Schirmherrschaft übernommen hat, ging es an die Bässe. Das „Big-Bass-Orchestra“ ließ mit einer spektakulären Freudenstein-Komposition, „Der Wolf“, mit über 60 Frauen, Männern, Mädchen und Jungs an den Bässen, den Haberkasten brummen. Wie Freudenstein vorausschickte, sollte mit dem Konzert ein Eindruck dessen vermittelt werden, was an diesem Instrument so alles machbar sei.
Mit Auftritten von Dan Styffe (Dänemark), dem E-Bassisten Steve Bailey (USA), dem Kontrabassquartett „The Bassmonsters“ und dem französischen Kontrabass-Virtuosen Francois Rabbath kamen Solo-Bassisten von Weltrang auf die Bühne, deren Virtuosität bei dem ein oder anderen Zuhörer Schnappatmung verursachte.
Dan Styffe entfesselte überschwängliche Bewunderung mit seinem Spiel auf einem der ältesten Kontrabässe der Welt aus dem Jahr 1580. Styffe spielte Kompositionen bekannter zeitgenössischer Kontrabassisten, wie auch die Uraufführung einer Eigenkomposition, die mit großem Variationsreichtum und atemberaubender Bogen- und Grifftechnik begeisterte.
Der Auftritt der „Bassmonsters“ versetzte im Anschluss Kammermusik mit Frischzellen aus Rock-, Pop- und Filmmusik. Vier junge Kontrabassisten – Claus Freudenstein, Linda De Boos, Thomas Hille und Ricardo Tapadinhas interpretierten „Highwaystar“ von Deep Purple, „Without you“ von U2 oder Filmmusikklassiker in ihrer Bass-Sprache, und verhalfen den Werken so zu aufregendem Klangzauber.
Steve Bailey kündigte gleich zu Beginn seines Auftritts an, nur ein paar Nummern zu spielen, wenngleich auch, wie er betonte, sein Mittun für ihn eine besondere Ehre sei. Sein E-Bass-Spiel – ohne Starallüren – bot weitere Höhenflüge, und fügte zum Himmel voller Bassgeigen über Mühldorf den E-Bass, mit all seinen spieltechnischen Finessen garniert, hinzu.
Riesenapplaus verabschiedete die eine und begrüßte zugleich die nächste Bass-Legende: Francois Rabbath. Zu beschreiben, was da zu hören und zu sehen war, kann nicht gelingen. Die Superlativen-Falle ist längst zugeschnappt. Baileys Versuch, den 87-jährigen Kontrabassisten aus Paris mit Worten zu beschreiben, überschritt irdische Grenzen: Rabbaths Virtuosität, so Bailey, sei im Universum anzusiedeln. Griff- und Bogentechnik, Ausdruck, ein Dauerlächeln auf den Lippen, absolute Zugewandtheit zu seinen Zuhörern, die, wie hypnotisiert, in sich den Glauben ans Unmögliche entdeckten. Wo ist der Trick? Woher kommen diese Töne? Hat er andere Saiten aufgezogen? Einen manipulierten Turbobogen oder implantierte hoch technisierte Software in Händen und Armen?
Das Geheimnis steht tatsächlich in den Sternen des Grandseigneurs der Kontrabassisten. Sein Sohn Sylvain, der ihn mit einem Höchstmaß an Sensibilität am Klavier begleitete, scheint es zu hüten, es zu schützen, um so seinen Vater noch einige wertvolle Jahre zu erhalten. Ein Riesenapplaus für ein Riesenereignis sollte ausreichend Schwung zur Organisation der nächsten Basstage liefern.