Jazz trifft Volksmusik

von Redaktion

Viel Experimentierfreude: Die „Bayerisch Jazz Group“ im Haberkasten

Mühldorf – Vom ersten Ton an ist klar: Hugo Siegmeth wirft mit seinem Quintett einen neuen Blick auf die Volksmusik. Dass er damit einem Trend hinterherhechelt, weil das Bayerische in der Musik landauf landab gerade angesagt ist, kann man seiner „Bayerisch Jazz Group“ sicher nicht nachsagen. Denn das Ergebnis ist alles andere als Mainstream. Statt Klischees zu bedienen, regiert die Freude am Experiment.

Die Stücke, die der in Mühldorf aufgewachsene Siegmeth für das Quintett arrangiert hat, sind ein bunter Reigen aus Zwiefachen, Landler, Almruf und Marsch. Aber auch Ohrwürmer wie Willy Michls „Isarflimmern“ sind darunter. Sie alle werden verfeinert mit jazzigen Improvisationen.

Dabei zeigt sich einmal mehr, dass Siegmeth ein Musiker der leisen Töne ist, was auch bei der Auswahl der Stücke mitschwingt. Und so schafften es nicht aufmerksamkeitshaschende Gassenhauer in sein Programm, sondern vielmehr Stücke mit einer poetischen Note.

In manchen Interpretationen bleiben beide Welten unversöhnlich, existierten nebeneinander, fließen nicht ineinander – was dank der brillanten Musiker den jazzigen Sequenzen keinen Abbruch tut. Andere Stücke ergeben ein erstaunliches Ganzes. Bestes Beispiel: Ein melancholisches Lied, in dem der Almabtrieb und die Heimkehr eines Senners beschrieben wird. Das Stück ist anfangs zugeschnitten auf die schön rauchige Stimme von Marina Trost, die im langen, knallroten Kleid, barfuß auf der Bühne stand.

Temporeicher gestalten sich die instrumentalen Stücke wie der Defiliermarsch, gespielt im 50er-Jahre Bebop-Stil. Dabei fungiert der Marsch als Ausgangspunkt, als Aufhänger für den Ausflug in den Jazz, für die Interpretationen mit Saxofon und Schlagzeug. Wobei das Quintett die Stücke stets ernst nimmt – Spielwitz ist erlaubt, aber bitte kein Klamauk. Gleiches gilt für das Gstanzl und den Zwiefachen, dem vor allem Hugo Siegmeth mit seiner Klarinette und Bastian Jütte am Schlagzeug ihren Stempel aufdrücken. Komplett machen die „Bayerisch Jazz Group“ Josef Reßle am Klavier und Andreas Kurz am Kontrabass.

Gefälliger interpretiert das Quintett Klassiker wie Konstantin Weckers „Tropferl im Meer“ oder Willy Michls „Isarflimmern“. Flott und keck geht es auch in der „Giesinger Mondserenade“ zu, einem Schlager aus den frühen Dreißigern.

Dass sich die Formation auf der Bühne – bei aller Brillanz der Musiker – noch finden muss, zeigt sich an den Anmoderationen: Das Mikrofon wird mehrfach rumgereicht, spontan spricht mal der eine, mal der andere. Und so wird der Auftritt im Haberkasten mehr und mehr zum charmanten Wohnzimmerkonzert.

Für Siegmeth und seine „Bayerisch Jazz Group“ dient die bayerische Volksmusik als Aufhänger, als Leitthema für ein spannendes, musikalisches Experimentierfeld mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen.

Ob am Ende die Freunde der Jazzmusik ihr Herz für bayerische Klänge entdecken oder bayerische Volksmusikfans nun anfangen Jazzmusik zu mögen, sei dahingestellt. Die Improvisationskunst der Musiker sorgte auf jeden Fall für einen außergewöhnlichen und zugleich unterhaltsamen Abend.

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