Kraiburg – Nur die kleine Buddha-Statue auf der Bühne ist entspannt. Die anderen sechs Figuren haben ziemlichen Ärger, um nicht zu sagen: Stress. Für das Premieren-Publikum in der Remise ist das stellenweise so amüsant, dass es für die „Komödie im Dunkeln“ der Theatergruppe Kraiburg Szenen-Applaus gibt. Einerseits liegt das am grundsätzlich sehr amüsanten Stoff von Peter Shaffer, der einen turbulenten Plot liefert, mit witzigen Dialogen. Andererseits am Ensemble, das Mut zum Slapstick zeigt.
Da wäre Brindsley Miller, man könnte sagen: Der Auslöser aller Probleme, aber auch derjenige, der sie alle auflösen will. Dabei sagt er über sich selbst: „Ich bin durch und durch ein Feigling.“ Miller hat definitiv den meisten Stress unter den Figuren. Sebastian Meyer spielt den jungen Künstler, von dem man noch nicht weiß, ob er gescheitert ist oder noch was aus ihm wird, haarscharf am Rande des Nervenzusammenbruchs – so, dass es eine Freude zum Zuschauen ist. Ohne zu viel vom Stück zu verraten: Wie er Möbel über die Bühne wuchtet, ist für ihn schweißtreibend und sicher im wahrsten Sinne des Wortes schwer zu spielen. Aber zum Zuschauen: super.
Brindsley Millers entscheidender Fehler: Er lädt an einem Abend seinen Schwiegervater in spe und einen Kunst-Mäzen zu sich ein. Und der Schwiegervater ist definitiv das größere Problem.
Colonel Melkett ist Soldat durch und durch. Das Motto des alten Haudegens: „Stets Haltung bewahren.“ Das ist grundsätzlich das Gegenteil von Brindsley. Als es zu einem dauerhaften Stromausfall kommt – übrigens intelligent und konsequent durch die Bühnenbeleuchtung gelöst – scheint das erst mal kein Nachteil für Brindsley zu sein. Aber Colonel Melkett, von Christoph Hornberg herrlich trocken und mit strengem Gesichtsausdruck gespielt, will keinen Maler für seine Tochter Carol (Judit Thiel). Das Töchterchen wiederum ist gestresst, weil sie eben sehr in Brindsley verliebt ist – und ein bisschen, weil der Herr Papa sie ständig „Pummelchen“ nennt. Judit Thiel spielte nicht nur das Stirnrunzeln als Antwort passend prinzessinenhaft und unbedarft.
Dabei hat sie einen weiteren Stressfaktor für ihren Liebsten Brindsley mit ausgelöst. Sie redet ihm nämlich ein, die schicken Möbel aus der Wohnung des verreisten Nachbarn „auszuleihen“. Dumm nur, dass Harold Gorringe (Alois Fürstenberger) mitten in die stockdunkle Wohnung platzt. Fürstenberger macht den pedantischen, akkuraten Kauz übrigens durch sein Spiel überraschend sympathisch. Stress hat Harold erst, als der Strom wieder da ist, und er erkennt, dass Brindsley seine geliebten Möbel mehr als nur angefasst hat. An dieser Figur, in karierte Kleidung gesteckt, zeigt sich auch, dass die Kostüme – von Christa Fuchs gewählt – das Tüpfelchen auf dem „i“ sind, wenn ein Charakter liebevoll ausgearbeitet ist. Das gilt auch für Mister Furnival, einem weiteren Nachbarn von Brindsley. Der kreuzbrave Herr, Sohn eines Baptisten-Predigers, trägt Knickerbocker und V-Kragen. Sehr schön! Christian Wimmer schafft es, einem Mann, der sich aus Sympathie dem Stress unterzieht, den Diebstahl der Möbel nicht zu petzen, einen naiven Zug zu geben. Man sieht Mister Furnival gerne dabei zu, wie er sich so ganz aus Versehen besäuft.
Gegen Ende des Stückes erhöht sich der Stress für Brindsley übrigens nochmal. Zu all den Überraschungen kommt noch eine hinzu: seine Exfreundin. Sarah Ebenbichler spielt Clea leicht zickig, etwas „gschead“, wie man in Bayern sagen würde, und sorgt allein durch Mimik für Lacher. Was sie stresst: Brindsley will Carol heiraten, Clea dagegen wartete jahrelang vergeblich auf einen Antrag.