Der Dirigent

von Redaktion

Probenbesuch Seit zehn Jahren leitet Georg Haider das Symphonieorchester Mühldorf

Mühldorf – Viel Zeit bleibt nicht mehr bis zum Herbstkonzert. Und noch klingt Debussys „Claire de lune“ – mit Verlaub – an manchen Stellen gar nicht rund. Mal hakt es an den Einsätzen, mal an der Dynamik. „Immerhin schon besser als beim letzten Mal“, sagt Dirigent Georg Haider nach dem ersten Durchlauf. Dann geht es an die Feinheiten.

Der 53-Jährige treibt in der Probe sein Orchester noch einmal an – mit klaren Ansagen, mit ausladenden Gesten. „Ein Musiker will auch gefordert werden, er will an seine Grenzen gehen. Meine Aufgabe ist es, ihn an diese Grenze zu bringen, ohne dass dabei der Spaß auf der Strecke bleibt“, sagt Haider. Eine Gratwanderung für den gebürtigen Erdinger, der seit zehn Jahren das Symphonieorchester Mühldorf leitet. Bei allem Ehrgeiz muss er seine Mannschaft eben auch bei Laune halten: „Das klappt am besten mit Humor. Wenn in der Probe nicht mehr gelacht wird, läuft was falsch.“

Und so wird auch an diesem Dienstagabend gelacht. „Wenn alle am Taktende Luft holen, wird das eine Riesenschnauferei“, ruft Georg Haider den Bläsern zu. Die nicken, während sich so mancher Streicher einen süffisanten Schnauf-Kommentar nicht verkneifen kann. Ein Blick des Dirigenten genügt, um alle Musiker zurück zu Debussy zu holen. Zurück zur ersten Geige, die sich gegen das zu laute Orchester an der entscheidenden Stelle nicht durchsetzen kann.

Bei allem Spaß: Es herrscht Disziplin in der Probe, die auf die Minute genau um acht beginnt. „Wir duzen uns, wir gehen gerne mal was zusammen trinken“, sagt Georg Haider. „Aber sobald ich den Taktstock in der Hand halte, hört alles auf mein Kommando.“ Wie bei einer Schulklasse sei auch bei einem Orchester häufig pädagogisches Geschick gefragt.

Haider weiß, wovon er spricht. Seine Schulzeit hat er bei den Regensburger Domspatzen verbracht, anschließend studierte er Fagott und Komposition an der Hochschule für Musik in Würzburg. Ein eigenes Werk steht am morgigen Samstag aber nicht auf dem Programm. Neben Debussy spielt das Orchester noch zwei weitere Werke des musikalischen Impressionismus (Gabriel Faure „Masques et Bergamasques“ und Camille Saint-Saens „Suite op. 49“) sowie Beethovens 4. Klavierkonzert in G-Dur.

Ganz ohne fremde Hilfe kommt das Orchester dabei nicht aus, was vor allem dem Nachwuchsmangel geschuldet ist. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Im Moment könnten wir vor allem eine zweite Klarinette brauchen. Außerdem natürlich weitere Bratschen und Geigen.“ Doch Georg Haider will nicht zu laut klagen: „Wir hatten in den letzten Jahren altersbedingt einige Abgänge zu verkraften. Im Moment sind wir aber auf einem ganz soliden Weg.“

Das Herbstkonzert ist der Höhepunkt des Mühldorfer Orchesterjahres. Die beiden kleinen Konzerte im Frühjahr, die das Symphonieorchester ganz ohne externe Musiker stemmt, dienen vor allem dazu, die Kasse für das aufwendigere Herbstkonzert zu füllen. „Mit dieser Strategie fahren wir seit Jahren ganz gut.“

Dass die Herbstkonzerte nun wieder in der Aula der Mittelschule stattfinden, sei eine gute Sache. „Das ist für uns genau der richtige Rahmen. Schön, dass wir pünktlich zu meinem kleinen Jubiläum zurückkehren.“ Und sonst? Noch ein Wunsch? „Wenn wir das, was wir uns über Monate hart erarbeitet haben, im Konzert gut umsetzen können, ist das für mich Geschenk genug. Und für meine Musiker auch.“

Konzert in der Mittelschule

Zehn Jahre unter der Leitung von Georg Haider und nach acht Jahren Rückkehr in die Aula der Mittelschule Mühldorf: Am morgigen Samstag, 10. November, spielt des Symphonieorchester Mühldorf sein Herbstkonzert. Beginn ist um 20 Uhr, Karten gibt es an der Abendkasse.