Mühldorf/Zangberg – Mozart, Schumann, Brahms und Bartok haben sich Eva Barbarino und Florian Sonnleitner für ihr Jubiläumskonzert ausgesucht. Wie groß die Fangemeinde unter den Klassikfreunden in der Region nach zwei Jahrzehnten Duo-Partnerschaft ist, zeigt die Tatsache, dass das Konzert am morgigen Sonntag im Zangberger Ahnensaal restlos ausverkauft ist. Kein Wunder, schließlich gibt es ja auch ordentlich etwas zu feiern: Vor genau 20 Jahren gaben der langjährige Erste Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und die bekannte Mühldorfer Pianistin ihr erstes gemeinsames Konzert. An gleicher Stelle: im Ahnensaal.
„Damals wollten wir das zehnjährige Jubiläum des Mühldorfer Musikvereins mit einem großen Konzert feiern“, erzählt Eva Barbarino. Sie wusste von Sonnleitners Qualitäten als Geiger, von seinen Erfolgen und fragte einfach an. „Und ich war wiederum sehr froh, in Zangberg spielen zu dürfen“, sagt Florian Sonnleitner. „Ist doch die Region sozusagen meine zweite Heimat.“ Seine Großeltern lebten in Altötting. „Ich habe oft meine Ferien hier verbracht.“
Das Konzert zum Zehnjährigen des Musikvereins war damals ein Riesenerfolg. Seither gibt es jedes Jahr einen großen Auftritt des bekannten klassischen Duos im Ahnensaal des Klosters. Eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte zweier außergewöhnlicher Musiker.
Eva Barbarino wurde 1970 in Mühldorf geboren, spielt seit ihrem siebten Lebensjahr Klavier, von den Eltern gefördert, und wusste schon mit etwa elf Jahren, dass sie ihr liebstes Hobby vielleicht einmal zum Beruf machen würde. „Damals in den Sommerferien war es mir so fad, also setzte ich mich noch öfter ans Klavier, übte täglich und mit einmal machten mir die Bach-Fugen soviel Freude, dass ich viele auswendig lernte.“ Ihr Spiel wurde immer besser, erste Erfolge beflügelten die mehrfache Preisträgerin des Wettbewerbs „Jugend musiziert“. „Mit 13 hatte ich mein erstes großes Konzert in Bad Reichenhall.“ Lampenfieber? „Nein. Schmetterlinge im Bauch, das schon – die habe ich auch heute noch vor jedem Auftritt.“
Eva Barbarino studierte Konzertfach Klavier am Richard-Strauß-Konservatorium München und Stuttgart, legte als 19-Jährige das Konzertexamen mit Auszeichnung ab und erhielt 1993 das Künstlerische Staatsdiplom. Die Mühldorferin nahm an Meisterkursen in den USA, in Helsinki und London teil, folgte Einladungen zu Konzerten und Musikfestivals im In- und Ausland, spielte als Solistin und Klavierbegleiterin prominenter Partner, machte auch Aufnahmen für Rundfunk- und Fernsehanstalten. Die Folge: Sie verfügt über ein sehr großes klassisches Repertoire, zudem bezeugen Uraufführungen und Ersteinspielungen ihr Engagement für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts.
Die Künstlerin lebt mit ihrem Mann und ihrem 14-jährigen Sohn am Mühldorfer Stadtplatz. Wenn sie nicht gerade am Flügel sitzt, übt oder Klavierunterricht gibt, dann geht sie spazieren, kümmert sich um Haushalt und Garten. Aber am liebsten ist es ihr doch, „in meine Musik-Welt einzutauchen“.
Das verbindet sie mit Florian Sonnleitner, der 1952 zur Welt kam und ebenfalls sehr schnell zu seinem Lieblingsinstrument fand. „Mein Vater war Geiger in München und brachte eine Kindergeige mit nach Hause. Da war ich gerade sechs Jahre alt. Von da an übte ich fleißig.“ Schnell erkannte der Vater das Talent seines Sohnes, förderte und forderte ihn. „Es war auch schon bald klar, dass mein Berufswunsch Geiger war.“ 1971 begann Sonnleitner sein Studium an der Hochschule für Musik in München und Wien. Er war Preisträger beim Deutschen Musikwettbewerb, von 1977 bis 2018 Mitglied des BR-Symphonieorchesters – seit 1986 als dessen Erster Konzertmeister. Außerdem fungierte er vier Jahrzehnte lang als künstlerischer Leiter und Konzertmeister des Kammerorchesters „Bach Collegium München“.
Als Solist und Kammermusiker gab Florian Sonnleitner Konzerte auf allen Kontinenten, zudem dokumentieren CD-Aufnahmen sein umfangreiches Können. Der Musiker war verheiratet, ist jetzt Single, hat eine erwachsene Tochter, lebt in München. Und übt auch heute noch jeden Tag. „Als Musiker geht es einem nie so richtig schlecht“, sagt er.
Einig sind sich die beiden vor allem in einem Punkt: „Die Musik ist unsere Welt – und unser Lebenselixier!“