Mühldorf – Ein Auftritt von Lars Redlich hat etwas von einer Party, bei der alle Teilnehmer erst einmal miteinander warm werden müssen. Am Ende trällerten dann im Haberkasten alle beherzt gemeinsam einen Ohrwurm nach dem anderen. Dabei fing alles ganz harmlos an, mit einem netten Blues über Mühldorf und einer Parodie auf die Schmonzette „Oh Mandy“, die Redlich einer schönen Frau, gewachsen in Sachsen, widmete.
Redlichs Humor lebt nicht vom schnellen Schenkelklopfer, von der Jagd auf die Brüller. Vielmehr versteht er es gekonnt charmant zu unterhalten – mal herrlich albern, mal kindlich komisch. Dabei driftet er aber nicht in Klamauk oder Blödelei ab. Seine Witze, die er immer wieder einstreut, haben einen hohen Niedlichkeitsfaktor. „Was ist der schlimmste Tag für ein U-Boot? Der Tag der offenen Tür.“
Und so besingt er unter anderem das Schicksal einer Einzelsocke, die im Waschgang ihren Kumpel verliert und am Ende in der Kiste mit den Einzelsocken landet. Wohin das führt, ist bekannt: triste Daseinsformen, angefangen vom Putzlappen bis zum Tagessäckchen im Adventskalender.
Gekonnt spielt Lars Redlich mit seiner Herkunft als Lehrerkind – kein einfaches Schicksal. Und wie in einem Klassenzimmer üblich ist Mitmachen angesagt, aber nicht unangenehm. Etwa, wenn er der Altersstruktur des Publikums auf den Zahn fühlt: Bei Desposito, einem Dauerhit des vergangenen Sommers, kannte kaum jemand die Lyriks, bei den 80er-Jahre-Hits lief es verdächtig gut und selbst bei „Mein kleiner grüner Kaktus“ hielt das Publikum erstaunlich textsicher mit.
Redlich setzt auf das Vertraute, auf gängige Melodien, bei denen das Publikum nach den ersten Tönen weiß, was kommt und der Wohlfühlfaktor garantiert ist. Die Stücke spickt er mit lustigen Ideen: So wird Habanera aus George Bizets Oper Carmen zur Hip-Hop- Nummer und Uriah Heeps „Lady in Black“ zum schmerzhaften Zahnarztbesuch. Dafür schraubt er seine Stimme von Bariton bis zum Countertenor, kann auch als Sopran in Whitney Houstons „I Will Always Love You“ mithalten, spielt Klezmer auf der Klarinette, Piano und Gitarre sowieso. Aber vor allem kann er moderieren und improvisieren. Vom Publikum honoriert wurde besonders der Song, den er aus Wörtern zusammenstrickt, die ihm die Besucher zurufen: So packt er eine Müllersche Erzdiözese über den Wolpertinger bis hin zum Raum-Zeit-Kontinuum in eine bluesige Metal-Version.
Lars Redlich arbeitete sich im Haberkasten hinreißend und herzzerreißend in die Gunst des Publikums vor, bis der Funke endgültig übersprang. Am Ende sangen Publikum und Kabarettist gemeinsam. Das ging meist drei vier Zeilen lang gut, bis ein neuer Titelwunsch kam. Und Redlich haute in die Tasten, spielte aus dem Stegreif „Bohemian Rhapsody“, „The Time Warp“ aus der Rocky-Horror-Show bis hin zu „Über den Wolken“.
Final gab es an diesem Abend nach mehreren Zugaben viel Applaus und sogar Bravorufe und noch einen sympathischen Rausschmeißer für Simon an Ton und Technik.